Côte d’Azur – (Teil 1)

Fünf Tage an der Küste Südfrankreichs unter der mediterranen Sonne. Fünf Tage um eine Ahnung von dem Leben als Pauschal-Tourist der Kategorie <null Acht Fünfzehn> an den Traumorten der Côte d’Azur, der himmelblauen Küste, zu bekommen und natürlich … Lust auf mehr!

Mit einem Kölner-Busunternehmen bin ich in Nice/France – Nizza, mit einer Reisegruppe angekommen und getarnt als Tourist besuchte ich in vier Tagen die Orte in der Nähe entlang eben dieser himmelblauen Küste.

Am ersten Vormittag war Aufbruch nach Osten – Richtung Italien. Die Route entlang der mittleren Corniche – der Küstenstraße – streifte zuerst den Bergsiedlung von Èze, eine Burg mit botanischen Garten und diversen Galerien ortsansässiger Künstler. Dieses „Adlernest“ lag nicht nur auf unserer Route, nein wir teilten uns den steilen Aufstieg mit vielen anderen Touristengruppen, die aufgeregt in diversen Zungen kommunizierten und die schmalen Stege und -naturstein Treppen fluteten.

Um so mehr erstaunte mich der Anblick einer Tafel, der den Wanderweg Friedrich Nietzsches anzeigte, der hier im 19. Jahrhundert eine ruhigere Zeit verbrachte. Kaum zu glauben: In seinem einstigen Wohnhaus in Naumburg, dem heutigen Museum, bestaunte ich eine Europakarte mit seinen Reisezielen, die er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit zu Kurzwecken aufsuchte und ich verglich sie mit den Orten die ich besucht hatte. Meine Reiseziele waren naturgemäß weniger und mehr in den Metropolen verortet und ich dachte nicht im Traum daran, jemals seine Wege zu kreuzen. Ich sollte mich täuschen.

Weiter auf dem Weg nach Monaco.

So wie der Übergang nahtlos von der EU ins Fürstentum gleitend von Statten ging, so überzeugte der Anblick der die Berge gebauten Wohnpaläste, der Penthouses und Terrassensiedlungen durch eine Spur mehr Gediegenheit und Luxus,mehr vornehme Exaltiertheit und bodenständiger Snobismus, als die mit Superjachten voll gestopften Côte Azur-Häfen es ohnehin schon taten – hier wohnt das GELD!

Und wenn schon der kleine Park zwischen Meeresmuseum und Kathedrale 3 Park-Ranger, 2 Gärtner und diverse Angestellte für die Sauberkeit im öffentlichen Raum beschäftigte, liegt die Vermutung nahe, hier möchte man Zucht und Ordnung haben und keine skandalösen Zustände wie jenseits des Paradieses.

Ich gebe zu, es ist schön und man fühlt sich als Privilegierter in dieser Welt, wo nur die Abstammung oder das Einkommen zählt. Dennoch regt sich der tiefe Groll und der unbeugsame Widerstand gegen diese so obszön zur Schau gestellte Anhäufung von Reichtum, die mich erst in Monte CARLO erwartete, wo eine Luxuswagen hinter dem anderen die illustren Gäste in das Casino chauffierte.

Ja es wogt in mir der Volkszorn über solch krasse Darstellung von Besitz und Reichtum, den mir in einfachen Verhältnisse aufgewachsenen und durch ehrliche Arbeit grundlos arm gebliebenen beim Anblick der Ferraris, Lamborghinis, Maseratis, Benz und was weiß ich noch in den Sinn kam und dennoch stehe ich sozial weit über den Menschen, die mich täglich, und das besonders jenseits dieses goldenen Käfigs, um eine milde Gabe anbettelten und die Nächte in der Gosse verbrachten.

Genug von perversen Schauspielen der Wenigen (von der Weltbevölkerung) die fast alles auf der Welt besitzen, genug und zurück zu der famosen Landschaft und den freundlichen Bewohnern, die ich dankend kennengelernt habe.

Aber natürlich ist dieses Schauspiel attraktiv und alle Welt will hierher , das sehen und mitspielen. Kaum einer interessiert sich für die schöne Landschaft, diese üppige Botanik oder gar den soziokulturellen Aspekt, nein alle folgen dem Ruf des Geldes. Auf dem kurzen Weg durch einen wunderschönen Park mit blühenden exotischen Pflanzen und riesigen Palmen bemerkt ich ein junges Mädchen mit brauner Haut, dass im Schatten auf der Treppe saß, an ihren Koffer gelehnt und wartete. Sie musterte alle Passanten kurz, Hoffnung blitze kurz in ihren Augen , bis sie sich wieder enttäuscht abwandte. Na auf was oder wen wartest du?, fragte ich mich, ohne mich in Reihe der Möglichkeiten zu platzieren.

Ich habe meine Frieden auf der Terrasse von Starbucks gefunden. Mitten in der Gluthitze ein schattigen Platz mit einem Drink, der meinen Namen trug. Das war so kurios. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich außer eine Menge Geld beim Bestellung eines Eiskaffees auch meinen Namen angeben sollte. Verdutzt sagte ich kurz „Caro“. Jetzt war es an dem jungen Mädchen hinter der Theke sich zu wundern, hatte sie als echte Französin so was nicht erwartet und schrieb mit dem Stift „Ayou“ auf den Plastikbecher, der mal mein Eiskaffee beherbergen sollte. Dann ging der Becher einen geheimnisvollen Weg hinter einer großen Maschine entlang und nachdem eine zweite junge Französin die anstehenden Bestellungen an Hand des aufgeschriebenen Namens zustellte, ja da kam auch mein Getränke und das junge Mädchen blickte lächelnd auf das Geschriebene und erblasste: „Ohoo, C’est quoi?Awow?“ „Ist schon gut – ist der Meinige“ . Glücklich vereint mit meinem kalten Wunschgetränk suchte ich mir einen schattigen Platz in einem Korbstuhl mit Blick auf den Hafen.

Ich schaute direkt auf eine Baustelle mit vielen Kränen, Baggern, schwitzenden Arbeitern und Ingenieuren. In den fast 2 Stunden, die da saß und meine Kaffee schlürfte, ging der große Schiffskran immer hin und her und bewegte zentnerschwere Steine aus einem Riesencontainer auf eine Stelle, die ich nicht einsehen konnte, sicher aber der Hafenrand bzw. die Mole oder Damm war.

Und in dem Riesencontainer war ein kleiner Bagger, der Steine sortierte und verschob. Wie gesagt, keine Pause in der ganzen Zeit, obwohl es hier im Schatten schon über 30 Grad war und dort in der Führungskabine bestimmt das halbe Hundert. Zudem war der kleine Bagger wie ein Insekt gegen den großen Ausleger des Schiffskran, der ihm beängstigend nah kam, wenn er wieder in den Container ein bog, um eine neue Fuhre Felsbrocken zu holen.

Himmelbau – Azure – der Himmel und die See

Es war Zeit zurückzukehren, die Menge zu treffen und mit dem Reisebus zurück zum Hotel nach Nizza zu fahren. Dieser Müßiggang hatte mir gefallen und meiner Pflicht Urlaub zu haben war genüge getan. Jetzt am Nachmittag war das Leben ehe etwas träger und gelassener. Am Park bewunderte ich die vielen Säulchen, die den Handlauf die Freitreppen hinauf stützen. Und ich staunte nicht schlecht, als merkte, dass sie aus rotem Marmor waren. Luxus – pur.

Langsam steig ich die Stufen hinauf, fotografierte scharlachrote, sonnen gelbe und zart bläuliche Blüte, mächtige und stolze Palmen und Pinien, da erblickt ich sie wieder, das wartende Schokoladen- braune Mädchen. Und es berührte mich – ihr Warten und Ausharren, ihre Hoffnung, Ihre Zuversicht und in der Hand das Mobiltelefon, das nicht klingelte.

Ich hatte nun mein eigenen Termin und musste gehen, sollte ich meine Gruppe verpassen, könnte ich mich gleich zu ihr stellen, aber soweit waren wir noch nicht. Noch lange nicht.

Am nächsten Tag stand St. Tropez auf dem touristischen Speiseplan. Im Reisebus zeigte Reiseleiter Niko einen alten Film mit Louis de Funes: Gendarm von St. Tropez (Le gendarm en balade). Obwohl ich mich eigentlich dagegen sträubte, zog mich dieser alte Klamauk wieder in seinen Bann und mich musste herzlich über die Grimassen und die Gags lachen.

Der Ort selbst zeigte am Hafen zunächst das übliche Bild: Eine Luxusjacht neben der anderen; eine teurer als die andere. Natürlich ist hier alles auf den Tourismus ausgelegt. Ein Restaurant neben dem anderen versucht die Passanten einzuladen,dazu Eisläden, Boutiquen, Bars usw. alles rund um den Yachthafen.

Wer reich soll es auch zeigen.

Unerwartet fand ich das kleine Musee de l`Annonciade, direkt in der Innenstadt. Und zu meiner Freude war gerade eine Ausstellung der Neo-Impressionisten Georges Serault( Erfinder des „Pointilismus“), Paul Signac, ( Co-Erfinder) und Eugène Delacroix zu sehen. In dem kleinen, feinen Museum waren die Gemälde thematisch gehängt und zweisprachig erläutert.

Das Musee de l`Annonciade

Meine Aufenthaltszeit reichte leider nicht den ganzen Ort zu erkunden. Ich ging dem Hafen entlang nach Westen, dann im Ort in Seitenstraßen und kam ziellos, aber glücklich auf den Places des Lices. Ein angenehmer Ort zum Entspannen mit vielen Bänken, einem Brunnen und Schatten spendenden Platanen. Ich hielt kurz Rast, aß mein Baguette mit Käse , dazu Quellwasser von S.Pelligrino und war mit mir zufrieden.

Places des Lices, angenehm im Schatten.

Und dann ging ich durch kleine Gassen, vorbei an kleinen Läden, begegnete kleinen Leuten und nach einer kleine Weile und zwei bis drei Navigationskorrekturen fand ich auch den Platz mit dem Gendarmen-Museum, ohne Louis de Funes.

Durch die kleinen Gassen von St. Tropez

Diese Hausfront kenne ich seit meiner Kindheit, meiner Pubertät, als ich rechts vom EISERNEN ZAUN per TV in den Westen schaute, wie Louis de Funes und Kollegen als Gendarmen Jagt auf die Nackten in St. Tropez machten. Ich erinnere, dass diese Filme auch in den DDR-Kinos kamen, analog den Streichen der „Olsen-Bande“.

Hut ab, es war cool. In einem Laden sah ich ein Schild und es war wie ein Geständnis und ein Hilfeschrei: „I love l’hiver“ (Ich liebe den Winter). Ja dann, dann sind sie wieder unter sich und sicher vor den Touristen. Dann ist wieder Ruhe…

Fazit

Wie ich auf einer Karte später feststellte, habe ich von St. Tropez vielleicht 8 Prozent gesehen. Mehr war für mich nicht drin, in zwei ein halb Stunden. Wieder ein Ort, den ich angenehm in Erinnerung behalte. Und wie jedes mal sage ich mir : Es muss nicht das letzte mal gewesen sein…

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