Darf ich fotografieren?

Skizzen und Fotos von Picassos „Harlekin/Narr“ und „Picador mit gebrochener Nase“

Es ist immer die selbe Frage, die ich am Ticketshop stelle. Meist wird sie mit „ja, aber ohne Blitz“ beantwortet.

In Zeiten wo JEDER ständig Fotos schießt, – meist als `Selfie` – ist diese Frage fast rhetorisch, aber zum Schutz der empfindlichen Oberflächen der Kunstobjekte ist der Blitz selbstverständlich tabu.

Allerdings sind manche Ausstellungsräume dermaßen dunkel oder haben Punktscheinwerfer, die auf dem Bilderrahmen -Gläsern fantastische Reflexionen hervorrufen, dass es eine echte Herausforderung ist, einigermaßen brauchbare Ablichtungen zu schaffen.

Oder sie hängen in fünf Meter Höhe oder eine Menschentraube steht davor und will nicht weichen. Im Louvre ist es ein Ding der Unmöglichkeit die Mona Lisa zu fotografieren, weil dutzende schreiende Menschen davor posen und sich und Leonardos Bild fotografieren.

Es gelang mir an einem Mittwoch dennoch, den da hat der Louvre bis 21:00 Uhr auf und ab 20:00 Uhr wurde es doch deutlich stiller, um die „Lisa“.

Ich mache meine Skizzen unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen: Auf einem Klappstuhl, Buch, Stifte, Farben alles am Körper, ständig von Leuten umringt und denen die sich zwischen meine Sichtachse und dem Bild schieben. Das ganze dauert auch meist nicht mehr als 10 Minuten. Und dann fotografiere ich die Bilder.

Es gibt natürlich Ausstellungen, die ein fotografieren generell verbieten, wie z.B. „Der späte Picasso“ im Barberini-Museum Potsdam oder „Oscar Schlemmer“ im herzoglichen Museum Gotha.

Manche Exhibition verbieten das Fotografieren von Teilen der Exponate, wie z.B. „Der frühe Picasso“ Foundation Beyeler Basel; „Tizian“ Städel Museum Frankfurt/Main oder „Mantegna und Bellini“ Berliner Nationalgalerie. Dann herrschen die Aufpasser an, weil man das kleine Pictogramm“No Foto“ nicht gesehen hat und in Frankfurt musste ich vor den Augen der Gerechtigkeit das Beweisfoto löschen!!

Auffällig sind mir die Fotoverbote in den ostdeutschen Museums. Zu nennen sei da die Moritzburg Halle/Saale, de Dom in Magdeburg oder Naumburg und das herzoglichen Museum Gotha. Für eine Fotoerlaubnis, die teilweise höher als die ermäßigte Eintrittsgebühr ist, darf man als Privilegierter fast frei über den eigenen Apparat verfügen.

Ürigens: Im Londoner Royal Academy bei der Exhibtion „Egon Schiele“ habe ich wild skizziert und fotografiert. Trotz der gut besuchten Ausstellungen und dem regen Andrang besonders der erotischen Zeichnungen gelang es mir mein Skizzenbuch zu füllen.

Plötzlich sprach mich eine gut gekleidete Dame mit den Worten an „For what you shoot this many fotos?“ Überrascht, nach einer Antwort suchend, die ich in der Landesprache vorbringen konnte und verwundert ob der doch eklatant fehlenden britischen Zurückhaltung, stammelte ich „For ..äh for .. the memories“ – – „Oh, for the memories“ she repeated thoughtfully and vanished…

Plastik von Enst Ludwig Kirchner im Städel/ Frankfurt am Main

Hohelied auf das Detail

Durch das Zeichnen lernt man Sehen.
Die Beschäftigung mit der Vorlage und der sequentiellen Reproduktion zwingt zur genauen Analyse. Nach und nach tauchen Details auf, die mir vorher nicht aufgefallen war. Verblüffend. Die Drehung von Armen und Händen, die Verschnörklungen und Raffinessen. Der Hintergrund.
Bei dem weltberühmten „Frühstück im Freien“ von Edouard Manet steht eine Frau im hinteren Teil mit den Füßen in einen Gewässer und bückt sich um Wasser zu schöpfen. Das hatte ich früher nie war genommen; immer nur die Hauptakteure.
So kann es gehen.

Skizze anlässlich dem Besuch im von-der-Heydt-Museum, Wuppertal 2017

Von der Wertigkeit des Nichtigen

Das Zeichnen ist das „Neue Sehen“

Sei es wie es will, wer mit Scheuklappen durch die Welt geht, sein Denken, Handeln und Sinnen nur immer auf ein Ziel richtet; sein Schritt stracks richtet und mit Vehemenz den Einen vor den Anderen setzt; nicht Links und Rechts kennt; nicht Freund noch Feind; der ist vor der Welt erfolgreich, geschätzt und bewundert: Doch in meien Herzen nur verachtet und bemitleidet; denn

… wie schön ist es doch seine Umwelt zu sehen und zu beobachten; den VogelsaNg zu hören, das Aufrichten der Blüten zu bewundern; den Gang der Schnecke zu verfolgen; kurz dass, was die Welt Müßiggang nennt, das Flanieren; oder auch das „chillen“ – merkwürdig nimmt sich hier der Anglizismus aus – kurz das Gegenteil des „Schaffe – Schaffe“

.. Und wie nun kommt es zur Überschrift – klar, wer sich mit etwas beschäftigt, es beobachtet, detailliert und seziert, um es zu zeichnen, der sieht hin und versucht die dreidimensionale Welt auf den Klecks 2-D-Papier festzuhalten und kommt nicht umhin, ein Abbild des Seins zu schaffen, wahr oder nicht, nah oder fern, gut oder böse … aber es entsteht Etwas!

Einführung

Eröffne die Welt mit den Sinnen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten.

„Träumende und Zweig“ Tusche

Verbunden und dennoch separiert sind die Musen der Antike. Obgleich es nur Musen für die Dichtung, Belesenheit, Musik und den Tanz gab, so war mit Melete, die Muse der Fertigkeit, der Übung , mir die Trefflichste, wenn es um die darstellende Kunst geht. Gepaart mit Thelxinoe, die Herzerfreuende und Arche, der Beginn – sind sie die drei Musen für einen glücklichen Start der Kreativität!