Côte d’Azur – Nizza – Cannes (Teil 2)

Es waren nur 5 Tage an der Côte d’Azur , nicht mehr als ein Schnupper-Trip. Ich bin wie alle anderen Touristen von der Gegend mit offenen Armen empfangen wurden und habe ein Ahnung von der Unbeschwertheit des Lebens an der Französischen Südküste erlebt. Natürlich ist Geld zu haben ein glatter Vorteil. Ich habe nur die durchschnittliche Anzahl von Obdachlosen und Bettlern erlebt, wie sie für die Größe dieser Stadt normal und um den Bahnhof oder vor Kirchen und öffentlichen Plätzen üblich sind. Und natürlich ist der multikulturelle melting pot auch dort nicht anders, dennoch waren an öffentlichen Plätzen wie den Stadtpark , die Promenade du Poillon, normale einfache Einwohner von Nizza und migrierte Minderheiten in einfachen aber ordentlichen Verhältnissen harmonisch zusammen. Und dazwischen die Kinder, ausgelassen springend und jubilierend auf der Fläche mit den Wasserfontänen, die aus dem Boden sporadisch aber zyklisch hervorschossen, und zur Freude der Jüngsten die Hitze des Tages minderten.

Das ist auch das bleibt, dieser Eindruck, diese Gemeinplätze, Klischees – die ewige Sonne, das wunderbare Essen, Feiern ohne Ende. Natürlich – als Tourist brauche ich nur meinen Körper durch die Gassen von einer Sehenswürdigkeit zur anderen schieben, bin an keine Termine gebunden und scheue Strapazen. In der Sonne ist die bloße Existenz quälend genug.

Wie es auch sei, im Gegensatz zu Deutschland ( MEIN Fleck, den ich kenne) spielt das öffentliche Leben eine größere Rolle. Vielleicht müssen die Leute aus ihren beengten Buden heraus und zelebrieren im Freien, begünstigt – natürlich- durch das Klima und der vita mediterrane.

Wir fuhren im Reisebus mit Air Condition nach Cannes, der Perle an der Südküste. Es nützt nichts, die Augen zu schließen und sich vorzustellen, das Cannes noch vor einiger Zeit ein kleines Fischerdorf war. Noch mit geschlossenen Augen kann man das Stimmengewirr der Jet-Set-Generation , den Verkehr einer Großstadt und die Geräusche des Hafens hören, ja den Reichtum riechen , wie das Vibrieren des Lifestyles aus den Hochglanzmagazinen.

Sonne, Wasser und Yachten

Daher bog ich vom Hafen gleich ein, ging Nebenstraßen hoch und in Richtung des Berges schnurstracks hunderte Treppenstufen geradewegs zum Himmel. Oben war es malerisch. Unbekannte Blüten hingen im Raum, rote, orange, gelbe, blaue, purpurne… Ich ging eine Straße an einer Mauer entlang und kam an den Fuß des Kastells.

Die Mühen haben sich gelohnt

Stolz regt sich die Burg über den Hafen, mächtig ihre Mauern, gewaltig ihre Türme. Im Innenhof waren Vorbereitungen für ein Fest im Gange. Ich freute mich über den Ausblick, ergatterte eine leere Bank und begann zu zeichnen.

Original und …

So wie eine Foto nur ein Anhaltspunkt, eine Erinnerung ist, die NIEMALS die Wirklichkeit einfangen kann, so ist mir die Zeichnung ein Depot des Momentes. Man müsste eine langen Film drehen, um die Gegend, die Stimmen , den Wind und das Wanderns des Lichtes zu einzufangen, aber es fehlt das Fühlen und die Gerüche. Merkwürdig- bei meinen Zeichnung ist das alles wieder da. Doch es funktioniert nur bei mir. Macht ihr doch euer eigenen Kram!

Wenn ich ehrlich bin, war die Situation weit entfernt von einem Filmreifen Plot. Entweder waren um mich selbstbewusste, aufdringliche asiatische Touristen, die nur die beste Standort für ein Selfie suchten, allein oder in Gruppen sich gegenseitig abblitzend, oder aber regionale Familien, mit beängstigen vielen und doch sehr jungen Mitgliedern, die wiederum nur den Platz wollten und ihre Verrichtungen unter lauten Singsang umständlich und extra theatralischen Gebaren wie Rituale vollzogen. Das ist aber das Lose des Pauschaltouristen und wen es mir nicht passt, dann kann ich mir doch ein Schloss kaufen!! Zuhause habe ich doch eins!

Ich wagte den Abstieg zum Hafen, ging die Promenade entlang ohne auf die Yachten zu blicken und suchte eine Treppen-AUFGANG. Jedes Jahr im Mai versammeln sich dort die Besten der Reichen und Reichsten der Besten. Wenn die Filmfestspiele in Cannes sind l die berühmtesten und größten von Frankreich, ist der Ort im Ausnahmezustand,und die Hotelpreise auf dem Mond. Da aber mich dieser Rummel seit meiner Jugendzeit und den Artikeln im DDR-„Filmspiegel“ verfolgt, wollte ich diese Treppe sehen. Plötzlich sprach mich eine Frau im mittleren Alter an und enttarnte sich als Mitglied meiner Reisegruppe. Ich erzählte ihr von meinem Traum. Sie war sofort ebenso wild darauf, ein Selfie vor der Treppe zu schießen. Gemeinsam gingen wir um den Klotz, der uns als Zentralkino vom Reiseleiter vorher benannte wurde. Und wirklich, kaum halb um den Bau herum -in Straßennähe- war eine Treppe. Fand sie etwas mickrig und dazu waren die Poller zur Straßenseite fest montiert und damit ungünstig zu entfernen für eine Woche Festbetrieb. Egal , sie fand es gut , blitze und ging.

Allein gelassen schaute ich, der Sache nicht trauend, doch noch ein Stück weiter zu gehen und zu sehen, was war um den Block und keine 40 m weiter – voila – die Treppe. Diesmal war sie es unverkennbar und der Verweis auf das Kino war in großen Letter über den Toren zu sehen, daneben ging es zum Retro-Film von Sergio Leone..“ Das war die Treppe die ich im TV immer sah, die die Stars herauf stolzierten und zur Straße hin waren Zement-Poller, leicht mit einem Stapler wegzuräumen.

Ja, das ist die Gangway – alles passt!

So gibt es immer eine kleine Geschichte von jedem Ort, die das Gefühl überspielt, eigentlich nichts erlebt zu haben. Selbst der Wunsch am Strand in einem Liegestuhl zu fläzen, neben mir ein kühles Getränk meiner unbestechlichen Wahl – selbst diese Vorstellung reicht nicht bei dem Gedanken dass 365 Tage im Jahr machen zu müssen. Ja aber EINMAL- naja, wem es beliebt!

Der letzte Ort, am Abreisetag war Antibes. Die blanke Wiederholung – Palmen, Hafen, alte Mauern, Gassen, Sonne + Hitze. Und doch war es hier anders. Wir kamen recht früh am Samstag an und ich ging sofort ins Kastell – dem heutigen Museum von Picasso. Ich habe von ihm schon vieles gesehen und vielleicht auch Spektakuläreres, aber die kleine Schau versuchte uns nahezubringen, wie Picasso auf Einladung einige Zeit seines Lebens, mit neuer Liebe, verbrachte. Nun gibt es sehr viele Exponate von Picasso,(und einige entstehen für den Kunstmarkt noch heute lange nach dem Tod des Künstlers!), man meint schon alles gesehen zu haben, aber dennoch gibt es Stücke die mich rührten und berührten. Wie in Frankreich üblich musste ich meinen Rucksack zu Kontrolle öffnen, der kurpulente Wachmann schaute nicht sehr interessiert sich den Inhalt an , ah L’éau(Wasser), Pencils, Camera- doch als er auf den Grund meines Sackes das unverkennbare Muster der Schale meiner Reise-Edelsalami erblickte, grunzte er fachmännisch und anerkennend , ob der guten Wurst als Marschverpflegung. Später wieder auf dem Platz war es klar – ein riesige überdachte Markthalle gefüllt mit allem Lukullischen, Gesottenem und Gebratenen, mit Leckeren vom Fass , vom Feld und von der See.

Ah, hier war ein Ursprünglichkeit jenseits vom Tourismus und ich spürte dieser Wochenmarkt ist keine Show, das ist Authentisch.Da mein Rucksack gut gefüllt war kaufte ich nur ein Baguette und nahm Abschied von Antibes.

Der Abend der Heimfahrt kam. Zwei Stunden vor Mitternacht sollte uns der Bus hier auflesen und nach Deutschland zurück tragen. Noch war es nicht soweit. Ich saß im Park über den Fluss von Nizza, der Promenade du Poillon de und beobachtete die Leute, die Kinder beim Tollen und Brausen und zeichnete. Es war so eine Harmonie, glücklich spielende Kinder, Eltern die stolz Selfies machten, Senioren die das Treiben gutmütig kommentierend beobachteten, Gruppen von Migranten, die sich unterhielten und ihr Picknick konsumierten, Touristen, die neugierig um herliefen.

Zudem war eben gerade das Nizza Jazzfestival gestartet und trotz der Aufbauten gut zu hören und mit etwas Glück konnte man auch ein Stück von der Leinwand einsehen. Am Tag meiner Ankunft spielte Neneh Cherry (oh Schade, war zu müde) und später Black Eyed Pieces ,war heute ein Afro-Jazz-Musiker am Mikrofon, dessen tolle Stimme und die Band wundervoll kraftvolle Rhythmen in die lauwarme Sommernacht schickten.

Trotz Eingrenzung draußen gut zu hören.

Es war Zeit zu fahren. Am nächsten Morgen war ich im nassen, kalten Deutschland und sagte mir, och, du ( ich duze mich nämlich) dass machste mal wieder.!

Côte d’Azur – (Teil 1)

Fünf Tage an der Küste Südfrankreichs unter der mediterranen Sonne. Fünf Tage um eine Ahnung von dem Leben als Pauschal-Tourist der Kategorie <null Acht Fünfzehn> an den Traumorten der Côte d’Azur, der himmelblauen Küste, zu bekommen und natürlich … Lust auf mehr!

Mit einem Kölner-Busunternehmen bin ich in Nice/France – Nizza, mit einer Reisegruppe angekommen und getarnt als Tourist besuchte ich in vier Tagen die Orte in der Nähe entlang eben dieser himmelblauen Küste.

Am ersten Vormittag war Aufbruch nach Osten – Richtung Italien. Die Route entlang der mittleren Corniche – der Küstenstraße – streifte zuerst den Bergsiedlung von Èze, eine Burg mit botanischen Garten und diversen Galerien ortsansässiger Künstler. Dieses „Adlernest“ lag nicht nur auf unserer Route, nein wir teilten uns den steilen Aufstieg mit vielen anderen Touristengruppen, die aufgeregt in diversen Zungen kommunizierten und die schmalen Stege und -naturstein Treppen fluteten.

Um so mehr erstaunte mich der Anblick einer Tafel, der den Wanderweg Friedrich Nietzsches anzeigte, der hier im 19. Jahrhundert eine ruhigere Zeit verbrachte. Kaum zu glauben: In seinem einstigen Wohnhaus in Naumburg, dem heutigen Museum, bestaunte ich eine Europakarte mit seinen Reisezielen, die er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit zu Kurzwecken aufsuchte und ich verglich sie mit den Orten die ich besucht hatte. Meine Reiseziele waren naturgemäß weniger und mehr in den Metropolen verortet und ich dachte nicht im Traum daran, jemals seine Wege zu kreuzen. Ich sollte mich täuschen.

Weiter auf dem Weg nach Monaco.

So wie der Übergang nahtlos von der EU ins Fürstentum gleitend von Statten ging, so überzeugte der Anblick der die Berge gebauten Wohnpaläste, der Penthouses und Terrassensiedlungen durch eine Spur mehr Gediegenheit und Luxus,mehr vornehme Exaltiertheit und bodenständiger Snobismus, als die mit Superjachten voll gestopften Côte Azur-Häfen es ohnehin schon taten – hier wohnt das GELD!

Und wenn schon der kleine Park zwischen Meeresmuseum und Kathedrale 3 Park-Ranger, 2 Gärtner und diverse Angestellte für die Sauberkeit im öffentlichen Raum beschäftigte, liegt die Vermutung nahe, hier möchte man Zucht und Ordnung haben und keine skandalösen Zustände wie jenseits des Paradieses.

Ich gebe zu, es ist schön und man fühlt sich als Privilegierter in dieser Welt, wo nur die Abstammung oder das Einkommen zählt. Dennoch regt sich der tiefe Groll und der unbeugsame Widerstand gegen diese so obszön zur Schau gestellte Anhäufung von Reichtum, die mich erst in Monte CARLO erwartete, wo eine Luxuswagen hinter dem anderen die illustren Gäste in das Casino chauffierte.

Ja es wogt in mir der Volkszorn über solch krasse Darstellung von Besitz und Reichtum, den mir in einfachen Verhältnisse aufgewachsenen und durch ehrliche Arbeit grundlos arm gebliebenen beim Anblick der Ferraris, Lamborghinis, Maseratis, Benz und was weiß ich noch in den Sinn kam und dennoch stehe ich sozial weit über den Menschen, die mich täglich, und das besonders jenseits dieses goldenen Käfigs, um eine milde Gabe anbettelten und die Nächte in der Gosse verbrachten.

Genug von perversen Schauspielen der Wenigen (von der Weltbevölkerung) die fast alles auf der Welt besitzen, genug und zurück zu der famosen Landschaft und den freundlichen Bewohnern, die ich dankend kennengelernt habe.

Aber natürlich ist dieses Schauspiel attraktiv und alle Welt will hierher , das sehen und mitspielen. Kaum einer interessiert sich für die schöne Landschaft, diese üppige Botanik oder gar den soziokulturellen Aspekt, nein alle folgen dem Ruf des Geldes. Auf dem kurzen Weg durch einen wunderschönen Park mit blühenden exotischen Pflanzen und riesigen Palmen bemerkt ich ein junges Mädchen mit brauner Haut, dass im Schatten auf der Treppe saß, an ihren Koffer gelehnt und wartete. Sie musterte alle Passanten kurz, Hoffnung blitze kurz in ihren Augen , bis sie sich wieder enttäuscht abwandte. Na auf was oder wen wartest du?, fragte ich mich, ohne mich in Reihe der Möglichkeiten zu platzieren.

Ich habe meine Frieden auf der Terrasse von Starbucks gefunden. Mitten in der Gluthitze ein schattigen Platz mit einem Drink, der meinen Namen trug. Das war so kurios. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich außer eine Menge Geld beim Bestellung eines Eiskaffees auch meinen Namen angeben sollte. Verdutzt sagte ich kurz „Caro“. Jetzt war es an dem jungen Mädchen hinter der Theke sich zu wundern, hatte sie als echte Französin so was nicht erwartet und schrieb mit dem Stift „Ayou“ auf den Plastikbecher, der mal mein Eiskaffee beherbergen sollte. Dann ging der Becher einen geheimnisvollen Weg hinter einer großen Maschine entlang und nachdem eine zweite junge Französin die anstehenden Bestellungen an Hand des aufgeschriebenen Namens zustellte, ja da kam auch mein Getränke und das junge Mädchen blickte lächelnd auf das Geschriebene und erblasste: „Ohoo, C’est quoi?Awow?“ „Ist schon gut – ist der Meinige“ . Glücklich vereint mit meinem kalten Wunschgetränk suchte ich mir einen schattigen Platz in einem Korbstuhl mit Blick auf den Hafen.

Ich schaute direkt auf eine Baustelle mit vielen Kränen, Baggern, schwitzenden Arbeitern und Ingenieuren. In den fast 2 Stunden, die da saß und meine Kaffee schlürfte, ging der große Schiffskran immer hin und her und bewegte zentnerschwere Steine aus einem Riesencontainer auf eine Stelle, die ich nicht einsehen konnte, sicher aber der Hafenrand bzw. die Mole oder Damm war.

Und in dem Riesencontainer war ein kleiner Bagger, der Steine sortierte und verschob. Wie gesagt, keine Pause in der ganzen Zeit, obwohl es hier im Schatten schon über 30 Grad war und dort in der Führungskabine bestimmt das halbe Hundert. Zudem war der kleine Bagger wie ein Insekt gegen den großen Ausleger des Schiffskran, der ihm beängstigend nah kam, wenn er wieder in den Container ein bog, um eine neue Fuhre Felsbrocken zu holen.

Himmelbau – Azure – der Himmel und die See

Es war Zeit zurückzukehren, die Menge zu treffen und mit dem Reisebus zurück zum Hotel nach Nizza zu fahren. Dieser Müßiggang hatte mir gefallen und meiner Pflicht Urlaub zu haben war genüge getan. Jetzt am Nachmittag war das Leben ehe etwas träger und gelassener. Am Park bewunderte ich die vielen Säulchen, die den Handlauf die Freitreppen hinauf stützen. Und ich staunte nicht schlecht, als merkte, dass sie aus rotem Marmor waren. Luxus – pur.

Langsam steig ich die Stufen hinauf, fotografierte scharlachrote, sonnen gelbe und zart bläuliche Blüte, mächtige und stolze Palmen und Pinien, da erblickt ich sie wieder, das wartende Schokoladen- braune Mädchen. Und es berührte mich – ihr Warten und Ausharren, ihre Hoffnung, Ihre Zuversicht und in der Hand das Mobiltelefon, das nicht klingelte.

Ich hatte nun mein eigenen Termin und musste gehen, sollte ich meine Gruppe verpassen, könnte ich mich gleich zu ihr stellen, aber soweit waren wir noch nicht. Noch lange nicht.

Am nächsten Tag stand St. Tropez auf dem touristischen Speiseplan. Im Reisebus zeigte Reiseleiter Niko einen alten Film mit Louis de Funes: Gendarm von St. Tropez (Le gendarm en balade). Obwohl ich mich eigentlich dagegen sträubte, zog mich dieser alte Klamauk wieder in seinen Bann und mich musste herzlich über die Grimassen und die Gags lachen.

Der Ort selbst zeigte am Hafen zunächst das übliche Bild: Eine Luxusjacht neben der anderen; eine teurer als die andere. Natürlich ist hier alles auf den Tourismus ausgelegt. Ein Restaurant neben dem anderen versucht die Passanten einzuladen,dazu Eisläden, Boutiquen, Bars usw. alles rund um den Yachthafen.

Wer reich soll es auch zeigen.

Unerwartet fand ich das kleine Musee de l`Annonciade, direkt in der Innenstadt. Und zu meiner Freude war gerade eine Ausstellung der Neo-Impressionisten Georges Serault( Erfinder des „Pointilismus“), Paul Signac, ( Co-Erfinder) und Eugène Delacroix zu sehen. In dem kleinen, feinen Museum waren die Gemälde thematisch gehängt und zweisprachig erläutert.

Das Musee de l`Annonciade

Meine Aufenthaltszeit reichte leider nicht den ganzen Ort zu erkunden. Ich ging dem Hafen entlang nach Westen, dann im Ort in Seitenstraßen und kam ziellos, aber glücklich auf den Places des Lices. Ein angenehmer Ort zum Entspannen mit vielen Bänken, einem Brunnen und Schatten spendenden Platanen. Ich hielt kurz Rast, aß mein Baguette mit Käse , dazu Quellwasser von S.Pelligrino und war mit mir zufrieden.

Places des Lices, angenehm im Schatten.

Und dann ging ich durch kleine Gassen, vorbei an kleinen Läden, begegnete kleinen Leuten und nach einer kleine Weile und zwei bis drei Navigationskorrekturen fand ich auch den Platz mit dem Gendarmen-Museum, ohne Louis de Funes.

Durch die kleinen Gassen von St. Tropez

Diese Hausfront kenne ich seit meiner Kindheit, meiner Pubertät, als ich rechts vom EISERNEN ZAUN per TV in den Westen schaute, wie Louis de Funes und Kollegen als Gendarmen Jagt auf die Nackten in St. Tropez machten. Ich erinnere, dass diese Filme auch in den DDR-Kinos kamen, analog den Streichen der „Olsen-Bande“.

Hut ab, es war cool. In einem Laden sah ich ein Schild und es war wie ein Geständnis und ein Hilfeschrei: „I love l’hiver“ (Ich liebe den Winter). Ja dann, dann sind sie wieder unter sich und sicher vor den Touristen. Dann ist wieder Ruhe…

Fazit

Wie ich auf einer Karte später feststellte, habe ich von St. Tropez vielleicht 8 Prozent gesehen. Mehr war für mich nicht drin, in zwei ein halb Stunden. Wieder ein Ort, den ich angenehm in Erinnerung behalte. Und wie jedes mal sage ich mir : Es muss nicht das letzte mal gewesen sein…

Reisen bildet…(Teil 1)

und wenn sie gut war war sie mehr als nur Einbildung. Das Besuchen fremder und bereisen fremder Länder, erweitert mehr als nur den eigenen Horizont. Unbekannte Kulturen, exotische Küche und Traum-Strände zum All-in-Inklusive-Tarif locken in den Angeboten der Reiseagenturen.

Na mir reichen schon europäische Gefilde und überschaubare Ziele. Es ist mir lieb zu erfahren, dass das europäische Ausland gar nicht so anders ist, als wir hier in Zentral-Europa in unserem Deutschland. Da sind die Unterschiede vielleicht noch größer.

London-Eastside

Meine Touren durch Deutschland unternehme ich abseits der Hauptreisezeit. Ich suche mir eine Stadt, besser eine Metropole und darin ein preiswertes Hotel für meine Aufenthalt. Da ich nur meine Tage in den Kultureinrichtungen zu verbringen gedenke, reicht eine Bleibe am Rande der Stadt. Von dort starte ich meine Unternehmungen, auch gern abseits ins Land hinein.

Ich plane an Hand des Internets meine Etappen, der Öffnungszeiten und den Weg dahin. Dabei besuchte ich schon die Ecken um Berlin, Hamburg, Stuttgart, München, Essen oder wie jetzt, Frankfurt am Main.

Street-Art am Hauptbahnhof Halle/Saale

Von Frankfurt, selbst üppig in Sachen Kultur bestückt, fuhr ich nach Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und nach Koblenz. Dank des hervorragenden Nahverkehrs war das ohne weiteres per S-Bahn möglich.

vom Zug aus fotografiert

Also entlang des Rheins, den mein heutiges Ziel war Koblenz. Mit dem überfüllten Zug im Hitzestau, dass zehre nicht nur an die einheimische Nerven. Mein Plan war die Reise und daher hatte ich keine Probleme mit dem Transport. Ich lernte die Leute in diesem Teil kennen. Nach meiner Herkunft befragt, wusste die meisten von dem fernen Bundesland, das keiner kennt. Eine Frau sagte mir, sie sei vor 40 Jahren aus der Zone ausgewandert und lebe nun hier mit Familie.

Zu diesem Thema habe ich noch eine Anekdote: Diese Ticket nur im Inland gültig ist, stieg ich in Kehl aus und vor dem Bahnhof ist die Haltestelle für die Tram, die nach Strassbourg fährt. Am Automaten war ein junger Mann, der bereitwillig den Reisenden half, das richtige Ticket zu ziehen, da der Automat nur französisch kann. Es stellte sich heraus, der Mann war von der Bahnhofsmission in Kehl. Toll. Auch mir half er. Und noch den Tipp zu Fuß über die Brücke zu laufen, weil die Tram auf der anderen Seite eher kommt.

Bahnhof Kehl

Ich traf ihn wieder, als ich auf dem Bahnsteig bereit zur Rückfahrt stand. Ein Mann mit Fahrrad beschwerte sich, das der Aufzug nicht ging. „Doch“ sagte er,“ aber nur runter!- Es ist kurios, der Aufzug geht nur in eine Richtung“ Das hat den Mann nicht beruhigt und er ging schimpfend und fluchend weiter.

Ich sprach nun mein Mann an und dankte ihn für die Hilfe vom Vormittag.Wir kamen dann ins Gespräch – woher-wohin-Urlaub – Kehl – Strassbourg – Tram -Automaten. „Wieso heißt es eigentlich Münster Strassbourg und nicht Dom oder Kathedrale?“ Nun ich wusste es nicht, hatte mir aber auch schon mal Gedanken gemacht und Wikipedia aufgerufen. Mein Mann war der Ansicht:“ Münster heißt es wenn die Stadt, wenn es die Bürger finanziert haben, Dom wenn es der Papst bezahlt“(Sic!!unwahrscheinlich)Später outete ich mich,dass ich in Freiburg nur für den Urlaub wohne und eigentlich aus Thüringen komme. Darauf er weltgewandt: „Thüringen, Thüringen das kenne ich. Das ist doch wenn man mit dem Flixbus nach Berlin fährt die zweite Station. Zuerst kommt Bayern und dann kurz nach der Grenze … eh, Leipzig!!“ Ich: „Mmh“ Und dann er kurz darauf:“Ist das Leipzig eigentlich groß?“ Und ich generös (ohne es eigentlich genau zu wissen:“Größer als Freiburg und Kehl zusammen!“ Uh, das saß. Ich fand ihn trotzdem nett.

Das Münster in Strassbourg – Mai 2019

In Routhenburg ob der Tauber traf ich einen Mann in meinem Alter, der vorbei kam, als ich an einer Mauer lehnte und an meiner Maultrommel zupfte. Weiß auch nicht mehr wie wir ins Gespräch kamen, aber er bemerkte sofort an meiner Aussprache, das ich ein Ostkind bin. Er bediente sich andere Ausdrücke und spielte die Klaviatur des überheblichen Westler herauf und herunter und war eigentlich selbst nur ein abgefrackter erwerbsloser Architekt mit offensichtlich Alkohol- und Beziehungsproblemen und in dem weiteren Verlauf unseres Gespräches kam die Vision eines ähnlichen Lebens nur links und rechts des eisernen Zaunes heraus. Wir lernten beide voneinander, dass das Leben, je nach Möglichkeit, genauso vorbei ging und je nach persönlichen Einsatz erfolgreich war oder nicht war. Und ich lernte das das Leben in dem beschaulichen mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber jenseits der Touristen kein Spaß ist und immer schwieriger wird. Und da half auch nicht der Mummenschanz und die Paraden, die die Einwohner am Pfingstwochenende pflegten, indem sie die Einnahme des Ortes durch den Kaiser Karl V im Dreißigjährigen Krieg jedes Jahr wieder und wieder nachspielten.

Pfingstfest Vorbereitung

Diese Unterhalt, so entfernt entzweiend sie begann, währte mit einigen Ortswechsel immerhin zwei und eine halbe Stunde, bis mein Gesprächspartner vorgab pissen gehen zu müssen , denn eigentlich wollte er nur neues Bier kaufen.

vom Zug aus fotografiert

Zurück zum Text meinen Aufenthalt in Frankfurt und Koblenz – – Ich traf eine ältere Frau im Zug von Koblenz nach Frankfurt, und wir waren allein im Abteil. Am Anfang waren noch viele Schulkinder und ältere Pensionäre an Bord, aber nachdem wir die Küste verlassen hatten und in die Berge fuhren, lichtete sich das Coupet. Ich hatte die angespanntere Route durch das Lahntal gewählt und absichtlich die Stecke entlang des Rheins gemieden. Orts unkundig war ich neugierig, welcher größeren Stadt wir uns nun näherten, denn bisher ging es nur durch den Wald, vorbei an Bächen und Bergen. Sie sagte es wäre Limburg an der Lahn.

„Ah, dassss Limburg?“ rief ich, weil unmittelbar zuvor der Erzbischof vom Papst in den Ruhestand geschickt worden, nachdem bekannt wurde, dass er die Kirchenpfründe mit beiden Händen verprasst hatte und in seinem Neubau goldene Wasserspender montieren ließ.

Die Frau bejahte und zeigt mir eine tief verwurzelte katholische Gesinnung, die ihre Grundfeste des Glaubens von so einer Bagatelle nicht beeinflussen liesen. Ich wollte aber auch nicht mehr in sie drängen und mit analytischen Bemerkungen ihren Widerspruch reizen. So bemerkte ich nach einer Weile, dass der Blütenstand der Apfelbäume, an denen wir gerade entlang fuhren, weiter als bei mir zu Hause sei. Sie fragte höflich wo das sei und konnte mit meiner Antwort „Thüringen“ so recht nichts anfangen: „Ist das nicht der Osten?“

Wir plauderten noch eine Weile, bis sie mich im Ernst nachdenklich fragte: „Sind die Leute im Osten eigentlich anders als wir?“ Meine Antwort kam etwas verlegen, weil ich das Gefühl hatte, sie schließe mich mit ihrem „Wir“ auch ein, aber mutig beruhigte ich sie:“Nein, sie sind genauso wie hier. Sie gehen zur Arbeit, lieben ihre Kinder und am Sonntag auch in die Kirche.“

Woher ich meine Weisheit als bekennender Atheist nahm, ist mir bis heute ein Rätsel. Es war schließlich das Jahr 2016 und der Mauerfall beinahe schon dreißig Jahre her. Sie schien für das erste mit meiner Versicherung zufrieden zu sein. Immerhin zwei Jahre zuvor war der Skandal um den Bischof Tebartz-van Eltz und die Sorgen und Probleme der Region bestimmt nicht geringfügiger. Okey, meine Antwort habe ich auch ein klein wenig von dem Sting- Song „Russians“ entlehnt und variiert, mit der Anmerkung, so verschieden seien die Völker doch nicht, schließlich würden auch sie ihre Kinder lieben: the Russians love their children too“

Und es bewahrheitete sich wieder der kluge Spruch von dem von mir seehr geschätzten britischen Autor Graham Green: „Niemand kehrt so von einer Reise zurück, wie er gestartet ist…“

Ups, durch den Anbau des Hotels ist es nicht so einfach zu fotografieren!
Vorher war die Wand leer
Weimar, Amalien-/Humbodtstraße

Ich hätte ihr und mir von den einfachen Leuten erzählen können, die über all gut und schlecht, arbeitsam und faul, satt und gefräßig sind. Die meisten sind zufrieden und/oder die meisten sind es nicht. Die es nicht sind spielen Lotte und die anderen geben ihr Geld für Reisen aus. Für mich war es wieder der Beweis, das reisen bildet und wenn man es nicht tut, dann hat man eben Lücken und verpasst den Anschluss…

Bin München glücklich entkommen!

Der Urlaub ist rar und kostbar.
Die Planung beginnt schon früh aber Dinge ändern sich manchmal.
Mein erstes geplantes Reiseziel war weg und so entschied ich mich für ein Ersatz:
3 TAGE MÜNCHEN
Ein bezahlbares Hotelzimmer zu finden war wieder erwarten doch easy.
Ok, vielleicht ist in dieser Zeit – Mitte Juni – in der Stadt kein Großereignis und damit meine Preisklasse im Keller.

Also Anreise – durch das kryptische Labyrinth am Hauptbahnhof – das Ziel finden – den Unterschied zwischen S-Bahn und U-Bahn erkennen und die Vorteile abwägen – das Falsche wählen – am Ostbahnhof rat- und rastlos das Gleis, die Etage und den Anschluss suchend – kam ich endlich im Bahnhof Trudering an, fand schnell den Weg entlang Öko-Neubauern – und durch den Abkürzungsweg ( glaube dem Navi nicht ALLES) und dank dem sachdienlichen Hinweis einer Mitarbeiterin einer Bäckerei , die extra aus dem Geschäft kam und mich anrief – musste sehr deppert mit Koffer, Handy und Fragezeichen-Gesicht ausgesehen haben – auch glücklich den Hoteleingang gefunden.

Drei Tage in einer Metropole ohne festen Vorhaben und gesicherte Termine. Mein einziger Plan war der Besuch von Ausstellungen. Die Orientierung war dank Smartphone doch recht einfach, nur der Weg dahin nicht. Denn in München wird gebaut. Und es war eine Affenhitze!

Der Hauptbahnhof ist Innen und Außen  eine einzige Baustelle. Teile sind gesperrt, Umleitungen und Irrwege, weil z.B: Ausgänge gesperrt sind. Die Menschen eilen durch die Gänge und Flure. Eine emsige Geschäftigkeit bemächtigt die Reisenden und Flanierer. Es vergeht keine Fahrt auf der Rolltreppe, ohne dass Leute hektisch an einem vorbei laufen. Aber das ist so in jeder Großstadt,

 

Die U-Bahn-Station „Sendlinger Platz“ ist eine kolossale Baustelle. Dieser Eindruck ist nicht zu verbergen – hier gibt es nur Baugitter, Umleitungen, Sperrzäune und  Hilfsrampen. Die Kabel hängen verkleidet an der Decke, Neue und alte Abgeschnittene und auf den Trockenbauverschalungen, sind die Umrisse mancher gespachtelter und geschliefene  Gips-Schellen mit Stiften von unbekannter Hand zu kleinen Meisterwerken veredelt. Meistens zu kleinen Mäusen oder Affen. Auch ich habe hier eine kleines Denkmal gesetzt – der Gipsfleck hat mich sofort an die Umrisse einer Blondine erinnert – und schnell den Stift heraus und zack die Augen -zack den Mund – ein Ohr und natürlich die Brüste – und bums – schon kam die Metro und Adieu Kunstwerk!

Durch die Hitze über 30 Grad war natürlich ausgedehnte Strapazen tabu. Besonders in der Mittagsglut suchte ich schattige Orte in Parks rund um die Pinakothek auf und beobachtete die Jugend, die hier lernt und studiert um unsere Zukunft zu sichern! Diese hier aber  waren nicht daran interessiert, dass Bruttosozialprodukt wesentlich zu vermehren.

Der Ernst des Lebens ist  an den Mitarbeitern der Museums zu beobachten, die teilweise in größerer Zahl als die Besucher in den Räumen waren und je nach Herkunft und Integration sich mit den Kulturgütern befassten, die sie bewachten und dem staunenden Gästen präsentierten, oder doch mehr den Gruppenkontakt mit Gleichgestellten suchten oder ihre sozialen Kontakte online pflegten.  Doch nicht nur in den Museum der Modernen Kunst, die mit großflächigen Exponaten anerkannte Meister ihrer Zunft aufwarteten, die unterdurchschnittlichen Kinderzeichnungen nicht unähnlich sahen, ebbte das Interesse von den Anwesenden jäh ab, und in vermeintlich unbeobachteten Momenten, sank die Aufsichtsperson  auf das bereitstehende Kanapee oder belustigte sich mit seinem Smartphone, nur aufgeschreckt, wenn ein einsamer kunst-sinniger Besucher um die Ecke kam. Das einige Museum mit der Ausnahme von dieser Regel, die ich in ganz Europa beobachtete, ist die Berlinische Gemäldegalerie. Dort hat wohl die Gewerkschaft der Aufsichtspersonen das Recht durchgesetzt, dass ihre Mitglieder in bereitstehende Klappstühle setzten dürfen und nicht durch die Anwesenheit von Besuchern gestört werden dürfen. Ich finde das übrigens in Ordnung. Warum sollen sie nicht sitzen, wenn sie stundenlang Dienst haben. Und wenn der Gast eine Frage hat, wird ihm schon geantwortet. Also Klasse! Berlin!

 

Um nun auf den Titel des Blogs zu kommen: Der Abreisetag.

Ich komme auf den Hauptbahnhof und finde, dass der beabsichtigte Zug offensichtlich sehr beliebt ist. Dutzende Leute stehen da und warten auf den Einzug des Zugs. Leute mit kleine und großen Gepäck, Trolleys, Rucksäcken, Koffern, Fahrrädern, Kinderwagen, Bierkästen, Schlauchbooten, Segeltuchtaschen.

Der Zug schob die Abteile in den Sack-Bahnhof langsam herein. Die letzten Waggons hatten die Aufschrift Praha – Prague – Prag! Kaum kamen die Coupes zum stehen begann der Wettlauf auf Platz und Sieg. Ich eilte den Bahnsteig entlang, fand aber kein Abteil mit dem Namen meines Zielbahnhofs – Hof! Entschloss mich erst nach Prag zu fahren und dann .. mal schauen! Durch Glück bekam ich den letzten Sitzplatz auf einem Not-Klapp-Sitz. Immerhin. Den nun begann eine Odyssee von Reisenden, die an meinem Platz vorbei den Gang entlang hasteten. Auf der Suche nach einem Sitzplatz. Ich kannte keinen der Leute aber manche erkannte ich wieder, wenn sie auf dem Rückweg an mir wieder vorbei kamen. Es waren einzelne Reisende beiderlei Geschlechts, kleine Familien mit nörgelnden Kinder, große Familien südländischer  Abstammung mit ruhigen fatalistisch blickenden Kindern, Frauengruppen mit Taschen und Blumen, Männergruppen mit Blasmusik und Bierkästen und so weiter und so weiter.

Meine Mitreisende in den Abteil waren eine Ehepaar auf der Fahrt in den Urlaub, eine Oma auf der Heimreise und ein unauffälliger junge Mann. Ich versuchte durch kleine witzigen Einwürfen zum Nachteil der Reisenbahnbetreiber die Reisesituation zu entspannen, was auch durchaus freundlich erwidert wurde, aber dennoch kam es über die lange Reisezeit zu ermüdenden Pausen.

Das Ehepaar fuhr nach Prag, dem Ziel und Zweck dieses Zuges. Ich weiss nicht, ich hätte den Mann sofort als typischen Tscheche auch ohne Nachweis gehalten, aber nein, sie waren noch nie dort und ihr bayrischer Dialekt lies auf Einheimische schließen. Hätte gern den Mann gefragt, ob er eingewanderte Vorfahren habe,allein der Anstand hielt mich zurück. Manchmal ist der Physiognomie eines Menschen für mich Indiz für die nationale Herkunft. Aber das sind nur Phantasien, den in der heutigen Zeit ist der Wandel die Regel und niemand hat Anspruch auf eine reinen Stammbaum bis Adam und Eva.

Natürlich gäbe es noch viel zu berichten, von der kleine Gesellschaft in dem  Coupe mit den 3 Stofftuchsesseln und den 2 Klappsitzen, der versagenden Klimaeinrichtung, dem Herren, der sich in den Gang stellte und sein Gepäck in die Gitter über den Sessel  -ohne zu fragen – abstellte, von dem  Mann mit dem Äußeren eines Vertreters der Unterschicht, der sich einfach in den Gang fletzte , mit dem Rücken genau an der Durchgangstür; von dieser Durchgangstür, die mittels Knopfdruck automatisch zu öffnen war und dem Unvermögen vieler Reisenden – vornehmlich älterer Damen – dies auch so zu tun und eher lieber mit Gewalt an dem Knauf zerrten, kurz es gäbe noch so viel zu erzählen, aber es kam der Umsteigebahnhof.

Der Betreiber „AleX“ hat spontan und kurzfristig einen kompletten Zug für die Reisenden in den Norden bereitgestellt ,den selbst meine Bahn-Navigator –  App nicht kannte und es begann der Lauf von Bahnsteig 2 zu Bahnsteig 1. Denn dazwischen war eine Unterführung. Und da die Leute nicht wussten, wann der Zug abfährt, rannten alle wie um ihr Leben.

Das war auch das Aufregendste an diesem Teil meiner Reise, denn ich hatte noch zwei Umsteige vor mir. Nach einer grandiosen Fahrt durch die bayerische Mittelgebirgslandschaft erreichte wir Hof und ich suchte nun mein Abfahrtsbahnsteig 1 b.

Der war etwas außerhalb dem was als Bahnhof gelten kann. Die Verbindung in abgelegene Regionen von unbeliebten Bundesländer gilt als exotisch und damit fristet es ein Randdasein.

Genug Reisende um zwei Triebwagen zu füllen wurden gefunden und eine junge Punkerin mit Irokesen – Haarschnitt und Ohrenringe öffnete dei Fahrertür, legte mehrere Schalter um und  starte der Koloss souverän und wir fuhren durch das Vorland in Richtung Thüringer Wald.

Die Gegend, die am Fenster vorbei flog wuchs allmählich im Grünton an, durchbrochen von Fetzen Gelb und Blau bis hin zum Hell braun. Wir fuhren ewiglich durch den Wald und hatten ziemlich Tempo drauf. Wer plante, diese eine Station zu wandern, sollte sich auf einen Tagemarsch gefasst machen.

Aber die meisten Mitreisende hatten nur Augen für ihr Smartphones, dass sie ständig penetrierten. Ich bildete mir ein, sie hätten Messgeräte für Luftdruck, Strömungsmenge, Distanzen, Isobare, Beschleunigung oder Hydro-  bzw. Barometer und wären ein Teil einer Forschungsgruppe, die die Auswirkung von beschleunigten Festkörpern auf die Massenpsychose unter Feldbedingungen von schwach Oxidation leeren – Raum in ländlicher Umgebung ohne direkte Infiltration durch animalische Störfaktoren.

Und dann mitten im Nichts – wir standen! Eine freundliche Computerstimme sagte uns, das wir auf Grund eines unbekannten Grundes auf unbestimmte Zeit nicht weiterfahren.

Mein erster Gedanke war ob der Proviant reicht. Dummerweise habe ich den größten Teil schon gegessen, aber ich hatte genug Wasser für eine Mittelgebirgs-Querung und Gott sei Dank noch das Frühstück für den arbeitsfreien Sonntag mit. Die anderen Reisenden machten mimisch keinen Glücklichen, aber auch keinen verzweifelten Eindruck. Manche schienen , versunken in ihr Mobilteil, die Situation gar nicht verinnerlicht zu haben. Meine Panik hatte ich übrigens unter der Maske der gelangweilten Gleichmut verbergen versucht, aber es half nichts, meine Anschlusszug konnte ich wohl vergessen. Ich wollte den nächsten Zug heraussuchen – ufz – Funkloch und keine Chance.

Dann ging es doch weiter. Wir fuhren wieder mit chaotischen Tempo durch die grünende Flur. Langsam kam auch bewohntes Gebiet in den Fokus. Die Computerstimme informierte mich, das es ein Bedarfshalt ist und wenn ich den Drang verspüre im Nichts aussteigen zu wollen, solle ich jetzt den Knopf drücken. Ich verspürte natürlich kein Drang aber der Zug hielt doch. Wieder wuchs die Abstandszeit zu dem Anschlusszug.

Wie aus dem Hut gezaubert kam plötzlich die Zugbegleiterin und kontrollierte unsere Fahrkarten. Natürlich war die Verspätung ein Thema. Ich erfuhr, dass Mitreisende noch größere Anschlusspläne hatten und die Verspätung stoisch aufnahmen. Ich hatte jetzt erfahren, das ich eine Stunde später weiterfahren konnte. Weniger als eine Stunde, die Verspätung angerechnet. Ausreichend für einen Kaffee bei dem örtlichen Bahnhofsbackstand. Die Schaffnerin war sehr engagiert und versuchte alles ihr Mögliche zu machen. Aber es war wie der Blick in die Glaskugel und mit jeden zurückgelegten Eisenbahnmeter kam die Hoffnung auf ein Wunder auf.

Ich entdeckte, dass mir unbekannte menschliche Niederlassungen fast fünf Bahnhöfe mit Halt hatten und jedes mal hielt der Zug und wollte nicht weiter. Doch es ging immer weiter. Langsam kamen auch mir bekannte Vororte und auch bald mein Umsteigebahnhof in Sicht.

Wir hielten auf Bahnsteig 4b mit zehn Minuten Verspätung und ich eilte zum Ausgang, den Duft des Kaffees schon in der Nase. Doch was war das – dort auf Bahnsteig 3b stand doch ein Zug. Ich eilte hin und der Zugführer, der aus dem Bullauge schaute, riet mir schnell einzusteigen.

Kaum drin fuhren wir los. Ein Wunder. Hinter mir im Abteil hörte ich eine Stimme, die mit einem unbekannten Gegenüber telefonierten.

„Wir mussten zehn Minuten auf den anderen Zug warten. Ich komm dann später an. Hole mich ab, ja?“

Ufz- nicht mein Problem. Ich genoss die Fahrt, die Landschaft und mein Glück, doch noch eher zurück zu kommen. Zeit nach dem Proviant zu schauen und mein Smartphone zu konsultieren. Es war eine ruhige Fahrt durch gottverlassenen Gegend und eine an Mitreisenden arme.

Wir kamen an den Bahnhof, den ich vor 3 Tagen aufgesucht hatte, um über Nürnberg nach München zu fahren. Bin wieder kontrolliert worden und wartete, dass erfahrungsgemäß bei dem nächsten Stop das Abteil voll würde, weil in dieser Stadt Unmengen Studentinnen und -enten wohnen die gerne mit der Bahn verreisen.

Ich hatte durch aus kein schlechtes Gewissen, worüber auch. Für mich war das eine toller Zufall und keine Absicht. Wie denn auch. Mein gegenüber, zwei junge Studentinnen, freuten gerade über ein sessional blühendes Feld: „Oh Poppy-Flowers!“ Es wurde Zeit für mein Ausstieg. Ich freute mich über die ausgestandene Reise und meine glückliche Ankunft. Hier verließ ich den Zug und seinem weiteren Schicksal. Doch plötzlich kam mir das Bild wieder vor Augen, als ich abgehetzt im Anschlusszug aus dem Fenster schaute, gegenüber die nette Zugbegleiterin lächelnd in Richtung Lokführer meines neuen Zuges blickte, lächelte und anerkennend den Daumen als Geste der für Lob und Zustimmung hob.

Doch plötzlich kam der Zugführer mit den Worten auf mich zu „Da ist er doch“ (Hä – unbändiges Staunen meinerseits) „Wegen Ihnen haben wir in Gera gewartet, das sollten wir doch nicht. Wollten sie überhaupt in den Zug?“ Ich bejahte. „Was haben Sie denn gemacht, dass wir zehn Minuten gewartet haben“ „Ah, -nichts-!“ „Haben Sie überhaupt eine Fahrkarte“ „Nein“ – Ich zeigte dem Lokführer meinen Ausweis mit Wertmarke, so was hatte er offensichtlich noch nie gesehen, sich aber von dem Dokument beeindruckt gezeigt. „Na irgendwas müssen Sie doch gemacht haben! Vielleicht angerufen?“ „Nein“ Aber mir schwan-te was. „Na sind sie jetzt im richtigen Zug“ „Ja, vielen Dank“ Er entfernte sich und kurz darauf setzte sich der nun volle Zug in Bewegung.

Sollte sie vielleicht angerufen haben….?