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Nicht nur zur Fastenzeit bis Ostern – In Zeiten von Corona

Da ist nun das erste Quartal des Jahres 2020 vergangen und erwartungsgemäß ist von den vielen guten Vorsätzen vom Jahreswechsel nichts mehr übrig geblieben.

Wie den auch, wenn das Jahr mit düsteren Anzeichen begann; mit dem Abschuss eines Generals und einer zivilen ukrainischen Passagiermaschine im nahen und einer kleinen Grippe -Welle im fernen Osten.

Mit Drohungen und Embargos, mit Austritten und verwehrten Eintritten, mit Demonstrationen und Protestaktionen.

Das Jahr begann mit Hoffnungen und Befürchtungen, wie in jedem Jahr und ein ganzer Kontinent schien seine Wälder durch Brand zu verlieren, in Beverly Hills verloren Milliardäre ihre Bungalows, in der Bundesrepublik wurden 4,3 Milliarden für den Kohleausstieg und 2,1 Millionen für die Rentner bewilligt; in Frankreich kommen die Gelbwesten zur Ruhe, Sturmtief „Stefanie“ und die bösen Männer aus dem Weißen Haus, dem Kreml, Nordkorea, Brasilien und vom Bosporus lassen grüßen…

Und in Thüringen wird am 5.2. ein Ministerpräsident gewählt, der das aber so nicht wollte und daraufhin zurücktritt, aber auch nicht so richtig und nach längerer Verspätung und nach vielen Hin und Her wird der Vorherige wieder der Neue.

Glanzzeiten.

Und spät am Abend in den Nachrichtensendungen kamen die ersten  Meldungen:

Das Corona-Virus auch in Europa(23.1.)in Deutschland(28.1), in Österreich(nicht dokumentiert) ,in Italien (23.2.) und plötzlich war alles anders!

Total anders, so wie es noch nie war und wie es nie wieder sein wird.

Es betrifft die ganze Welt!! Überall das gleiche Bild: Isolation, Ausgehverbote und der Kampf gegen COVIT-19 und der Verbreitung des Corona-Virus.  In betroffenen Länder mehr und in sorglosen Länder vielleicht weniger.

Auf einmal sind wir GLOBAL vereint. Mehr als sich das Marx & Engels vorstellen konnten: workers, of all the nations, unite!

Ausnahme Zustand. Alles wiederholt sich und doch ist der Grund ein anderer.

Ausnahmezustand vor 100 Jahren, am Schaukasten des Hauses der Demokratie:

Ich will nur hier einige persönliche Eindrücke teilen.

Durch den warmen Frühlings Begin war ein kleines Insekt, ein Falter an meinem Badezimmer innerhalb des Fensters gelandet. Er war kaum Daumengroß und hatte einen so kleinen Kopf, der wohl ein Duzendmal in den Körper passte.

Es flatterte an dem Fenster herum und ich beschloss zu helfen.

Ich öffnete das Fenster und schwub, mit einem kühnen Schwung war der kleine Falter draußen, prima gelaufen!

Doch jetzt begann erst richtig die Katastrophe.

Er war jetzt draußen, hing aber in dem Fliegennetz vor meinem Badefenster, sah und roch die pralle Natur und kommt nicht hin. So war er gefangen und dazu verurteilt mit sehenden Auge zu sterben, den sein kleiner Kopf zeigte ihm nicht den Weg, an den Rand des Netzes zu gehen und dort zu entschlüpfen.

Stattdessen flatterte er nur hin und her, hoch und wieder zurück und blieb so am gleichen Fleck, bis zu seinem Ende.

Es kein Vergleich und auch kein Bild oder gar Gleichnis, dass uns unsere Situation vor Augen halten soll. Wir sind auch durch eine höhere Macht gefangen, in unserem eigenen Umfeld verstrickt und sehen den Rand nicht.

In der Natur ist der Überlebenskampf normal, Allein oder in der geleichen Art, Jeder ist sich selbst der Nächste und es gilt Fressen oder Gefressen werden!

Aber wir haben mehrere Möglichkeiten der Wahl und genug Vernunft, diese verordnete Askese oder bewusste Einsiedelei als Instrument zu begreifen uns und unsere Mitmenschen zu schützen und, wenn man so will, Leben zu retten.

Mir sind auch Gewinner der Kontaktbeschränkungen aufgefallen.

Im Stadtbild hatten Mitarbeiter der Stadtgärtnerei die öffentlichen Rabatten mit wundervollen Blumenbouquets bepflanzt und so für Freude und die richtige Frühlingsstimmung gesorgt.

Jetzt bleibt alles sauber und ordentlich. Im Gegensatz zu vergangenen Praktiken bleiben die Müllbehälter leerer, die Gehwege von Zigarettenkippen und Kaugummi verschont und keine Pizzaverpackungsdeckel verunzieren die Blumenarrangements.

Paradiesische Zeiten, fast wie zu DDR-Zeiten- Haha.

Aber genau, etwas Besinnung und Demut und schauen auf die eigene Aktivitäten tut der Gemeinschaft gut, und dass nicht nur so kurz vor Ostern. Gläubig oder nicht.

Denn eins ist sicher, irgendwie sind wir  immer zwischen Weihnacht und Ostern oder eben zwischen Ostern und Weihnacht!

23.Tag des Offenen Ateliers

Geschafft – es ist vorbei!
Vorbei und vergessen!
Vergessen Und vorbei?

Für die Stadt war es das 23. und für das Kreativ Aktzeichnen am Rollplatz 10 das erste Offene Atelier.

Bei strahlenden Spätsommerwetter war – so schien es – die ganze Stadt auf den Beinen. Und bestimmt – gefühlt – die Hälfte noch einmal an Gästen.
Der Busstellplatz am Welcome – Center war fast restlos mit Reisebussen belegt. Ihre Busladungen strömten unter kundigen Führung in Kompaniestärke, bewaffnet mit Mini-Stadtplänen, stracks in Richtung Innenstadt.

Diese Wochenende hatte es in sich. Es war bunt, sonnig und voller Veranstaltungen. Über Handwerker- und Töpfermarkt, Lange Nacht der Volkshochschule, Podiumsdiskussionen der Bauhaus-Uni, Familienfest am Ur- und Frühgeschichte Museum …und…und…und.

Und , ach ja, am Freitag der erste Thüringer Feiertag zum Internationalen Kindertag und trotz Schulfrei, die Friday for Future- Klima-Demo an dem Tag wo die Bundesregierung eine konzertante Ankündigung des Ausstieges aus der Klima-Rettung nach durch gemachter Nacht beschloss.

Ja es war viel Trubel an dem 21.9.19 und am Rollplatz 10 öffnete sich zum ersten mal die Tür für das Offene Atelier.
Von der ersten bis zur letzten Stunde waren Besucher gekommen. Neugierige, Zufallspassanten, kleine Gruppen neugieriger Frauen auf dem Weg von oder zu den Reisebussen, Interessierte.
Mit den reichlich zur Schau gezeigten AKT-Zeichnungen des Caro van Ruit konnten sie allerdings wenig anfangen.

Rollplatz 10

Schwer zu sagen, was wohl der Ursache war. Gefallen oder nicht. Zu groß oder zu anstößig? Oder war es einfach eine andere Erwartungshaltung. Waren die Din-A2-Zeichnungen aus 5 Jahre Aktivitäten in Kohle, Pastell, Tusche und Mischtechniken doch nicht als Werbegeschenke zum Nulltarif zu haben. Doch bestimmt nicht der Preis – einfache Zeichnungen lagen schon für 5 € auf dem Wühltisch!
Dennoch war es für die meisten ein Paukenschlag, dass hier am Rollplatz 10, im DRK-Haus, überhaupt Kunst entsteht und ein Atelier bzw. ein Ort für das Aktzeichnen beheimatet ist.

Ich wurde nicht müde das Konzept von Kreativ Aktzeichnen zu erklären, dass ohne Zwang jeder zu zwei Stunden zeichnen willkommen ist und für 5 € für das Modell künstlerisch tätig sein kann.

Visitenkarten wurden verteilt, Einladungen ausgesprochen und dann, am Nachmittag , war es soweit – wir zeichneten live vor einem Modell.
Die zwei Stunden vergingen wie im Flug und es entstanden wieder einige tolle Zeichnungen. Besucher schauten zur Tür herein, stockten, staunten und zogen sich respektvoll wieder zurück, nur einige Geräusche von draußen beim Wühltisch der alten Werken verriet ihre Anwesenheit.

Und was ist das Fazit für mich? Mit der Nummer 1 des Offene Ateliers ist eine Marke gesetzt, die doch leicht im nächsten Jahr überflügelt werden kann. Allerdings bedeutet es wieder ein Jahr Arbeit zu gesteigerten Attraktivität und vor allem Bekanntheit und Akzeptanz.

In diesem Sinne – Packen wir es an.

Côte d’Azur – Nizza – Cannes (Teil 2)

Es waren nur 5 Tage an der Côte d’Azur , nicht mehr als ein Schnupper-Trip. Ich bin wie alle anderen Touristen von der Gegend mit offenen Armen empfangen wurden und habe ein Ahnung von der Unbeschwertheit des Lebens an der Französischen Südküste erlebt. Natürlich ist Geld zu haben ein glatter Vorteil. Ich habe nur die durchschnittliche Anzahl von Obdachlosen und Bettlern erlebt, wie sie für die Größe dieser Stadt normal und um den Bahnhof oder vor Kirchen und öffentlichen Plätzen üblich sind. Und natürlich ist der multikulturelle melting pot auch dort nicht anders, dennoch waren an öffentlichen Plätzen wie den Stadtpark , die Promenade du Poillon, normale einfache Einwohner von Nizza und migrierte Minderheiten in einfachen aber ordentlichen Verhältnissen harmonisch zusammen. Und dazwischen die Kinder, ausgelassen springend und jubilierend auf der Fläche mit den Wasserfontänen, die aus dem Boden sporadisch aber zyklisch hervorschossen, und zur Freude der Jüngsten die Hitze des Tages minderten.

Das ist auch das bleibt, dieser Eindruck, diese Gemeinplätze, Klischees – die ewige Sonne, das wunderbare Essen, Feiern ohne Ende. Natürlich – als Tourist brauche ich nur meinen Körper durch die Gassen von einer Sehenswürdigkeit zur anderen schieben, bin an keine Termine gebunden und scheue Strapazen. In der Sonne ist die bloße Existenz quälend genug.

Wie es auch sei, im Gegensatz zu Deutschland ( MEIN Fleck, den ich kenne) spielt das öffentliche Leben eine größere Rolle. Vielleicht müssen die Leute aus ihren beengten Buden heraus und zelebrieren im Freien, begünstigt – natürlich- durch das Klima und der vita mediterrane.

Wir fuhren im Reisebus mit Air Condition nach Cannes, der Perle an der Südküste. Es nützt nichts, die Augen zu schließen und sich vorzustellen, das Cannes noch vor einiger Zeit ein kleines Fischerdorf war. Noch mit geschlossenen Augen kann man das Stimmengewirr der Jet-Set-Generation , den Verkehr einer Großstadt und die Geräusche des Hafens hören, ja den Reichtum riechen , wie das Vibrieren des Lifestyles aus den Hochglanzmagazinen.

Sonne, Wasser und Yachten

Daher bog ich vom Hafen gleich ein, ging Nebenstraßen hoch und in Richtung des Berges schnurstracks hunderte Treppenstufen geradewegs zum Himmel. Oben war es malerisch. Unbekannte Blüten hingen im Raum, rote, orange, gelbe, blaue, purpurne… Ich ging eine Straße an einer Mauer entlang und kam an den Fuß des Kastells.

Die Mühen haben sich gelohnt

Stolz regt sich die Burg über den Hafen, mächtig ihre Mauern, gewaltig ihre Türme. Im Innenhof waren Vorbereitungen für ein Fest im Gange. Ich freute mich über den Ausblick, ergatterte eine leere Bank und begann zu zeichnen.

Original und …

So wie eine Foto nur ein Anhaltspunkt, eine Erinnerung ist, die NIEMALS die Wirklichkeit einfangen kann, so ist mir die Zeichnung ein Depot des Momentes. Man müsste eine langen Film drehen, um die Gegend, die Stimmen , den Wind und das Wanderns des Lichtes zu einzufangen, aber es fehlt das Fühlen und die Gerüche. Merkwürdig- bei meinen Zeichnung ist das alles wieder da. Doch es funktioniert nur bei mir. Macht ihr doch euer eigenen Kram!

Wenn ich ehrlich bin, war die Situation weit entfernt von einem Filmreifen Plot. Entweder waren um mich selbstbewusste, aufdringliche asiatische Touristen, die nur die beste Standort für ein Selfie suchten, allein oder in Gruppen sich gegenseitig abblitzend, oder aber regionale Familien, mit beängstigen vielen und doch sehr jungen Mitgliedern, die wiederum nur den Platz wollten und ihre Verrichtungen unter lauten Singsang umständlich und extra theatralischen Gebaren wie Rituale vollzogen. Das ist aber das Lose des Pauschaltouristen und wen es mir nicht passt, dann kann ich mir doch ein Schloss kaufen!! Zuhause habe ich doch eins!

Ich wagte den Abstieg zum Hafen, ging die Promenade entlang ohne auf die Yachten zu blicken und suchte eine Treppen-AUFGANG. Jedes Jahr im Mai versammeln sich dort die Besten der Reichen und Reichsten der Besten. Wenn die Filmfestspiele in Cannes sind l die berühmtesten und größten von Frankreich, ist der Ort im Ausnahmezustand,und die Hotelpreise auf dem Mond. Da aber mich dieser Rummel seit meiner Jugendzeit und den Artikeln im DDR-„Filmspiegel“ verfolgt, wollte ich diese Treppe sehen. Plötzlich sprach mich eine Frau im mittleren Alter an und enttarnte sich als Mitglied meiner Reisegruppe. Ich erzählte ihr von meinem Traum. Sie war sofort ebenso wild darauf, ein Selfie vor der Treppe zu schießen. Gemeinsam gingen wir um den Klotz, der uns als Zentralkino vom Reiseleiter vorher benannte wurde. Und wirklich, kaum halb um den Bau herum -in Straßennähe- war eine Treppe. Fand sie etwas mickrig und dazu waren die Poller zur Straßenseite fest montiert und damit ungünstig zu entfernen für eine Woche Festbetrieb. Egal , sie fand es gut , blitze und ging.

Allein gelassen schaute ich, der Sache nicht trauend, doch noch ein Stück weiter zu gehen und zu sehen, was war um den Block und keine 40 m weiter – voila – die Treppe. Diesmal war sie es unverkennbar und der Verweis auf das Kino war in großen Letter über den Toren zu sehen, daneben ging es zum Retro-Film von Sergio Leone..“ Das war die Treppe die ich im TV immer sah, die die Stars herauf stolzierten und zur Straße hin waren Zement-Poller, leicht mit einem Stapler wegzuräumen.

Ja, das ist die Gangway – alles passt!

So gibt es immer eine kleine Geschichte von jedem Ort, die das Gefühl überspielt, eigentlich nichts erlebt zu haben. Selbst der Wunsch am Strand in einem Liegestuhl zu fläzen, neben mir ein kühles Getränk meiner unbestechlichen Wahl – selbst diese Vorstellung reicht nicht bei dem Gedanken dass 365 Tage im Jahr machen zu müssen. Ja aber EINMAL- naja, wem es beliebt!

Der letzte Ort, am Abreisetag war Antibes. Die blanke Wiederholung – Palmen, Hafen, alte Mauern, Gassen, Sonne + Hitze. Und doch war es hier anders. Wir kamen recht früh am Samstag an und ich ging sofort ins Kastell – dem heutigen Museum von Picasso. Ich habe von ihm schon vieles gesehen und vielleicht auch Spektakuläreres, aber die kleine Schau versuchte uns nahezubringen, wie Picasso auf Einladung einige Zeit seines Lebens, mit neuer Liebe, verbrachte. Nun gibt es sehr viele Exponate von Picasso,(und einige entstehen für den Kunstmarkt noch heute lange nach dem Tod des Künstlers!), man meint schon alles gesehen zu haben, aber dennoch gibt es Stücke die mich rührten und berührten. Wie in Frankreich üblich musste ich meinen Rucksack zu Kontrolle öffnen, der kurpulente Wachmann schaute nicht sehr interessiert sich den Inhalt an , ah L’éau(Wasser), Pencils, Camera- doch als er auf den Grund meines Sackes das unverkennbare Muster der Schale meiner Reise-Edelsalami erblickte, grunzte er fachmännisch und anerkennend , ob der guten Wurst als Marschverpflegung. Später wieder auf dem Platz war es klar – ein riesige überdachte Markthalle gefüllt mit allem Lukullischen, Gesottenem und Gebratenen, mit Leckeren vom Fass , vom Feld und von der See.

Ah, hier war ein Ursprünglichkeit jenseits vom Tourismus und ich spürte dieser Wochenmarkt ist keine Show, das ist Authentisch.Da mein Rucksack gut gefüllt war kaufte ich nur ein Baguette und nahm Abschied von Antibes.

Der Abend der Heimfahrt kam. Zwei Stunden vor Mitternacht sollte uns der Bus hier auflesen und nach Deutschland zurück tragen. Noch war es nicht soweit. Ich saß im Park über den Fluss von Nizza, der Promenade du Poillon de und beobachtete die Leute, die Kinder beim Tollen und Brausen und zeichnete. Es war so eine Harmonie, glücklich spielende Kinder, Eltern die stolz Selfies machten, Senioren die das Treiben gutmütig kommentierend beobachteten, Gruppen von Migranten, die sich unterhielten und ihr Picknick konsumierten, Touristen, die neugierig um herliefen.

Zudem war eben gerade das Nizza Jazzfestival gestartet und trotz der Aufbauten gut zu hören und mit etwas Glück konnte man auch ein Stück von der Leinwand einsehen. Am Tag meiner Ankunft spielte Neneh Cherry (oh Schade, war zu müde) und später Black Eyed Pieces ,war heute ein Afro-Jazz-Musiker am Mikrofon, dessen tolle Stimme und die Band wundervoll kraftvolle Rhythmen in die lauwarme Sommernacht schickten.

Trotz Eingrenzung draußen gut zu hören.

Es war Zeit zu fahren. Am nächsten Morgen war ich im nassen, kalten Deutschland und sagte mir, och, du ( ich duze mich nämlich) dass machste mal wieder.!

Côte d’Azur – (Teil 1)

Fünf Tage an der Küste Südfrankreichs unter der mediterranen Sonne. Fünf Tage um eine Ahnung von dem Leben als Pauschal-Tourist der Kategorie <null Acht Fünfzehn> an den Traumorten der Côte d’Azur, der himmelblauen Küste, zu bekommen und natürlich … Lust auf mehr!

Mit einem Kölner-Busunternehmen bin ich in Nice/France – Nizza, mit einer Reisegruppe angekommen und getarnt als Tourist besuchte ich in vier Tagen die Orte in der Nähe entlang eben dieser himmelblauen Küste.

Am ersten Vormittag war Aufbruch nach Osten – Richtung Italien. Die Route entlang der mittleren Corniche – der Küstenstraße – streifte zuerst den Bergsiedlung von Èze, eine Burg mit botanischen Garten und diversen Galerien ortsansässiger Künstler. Dieses „Adlernest“ lag nicht nur auf unserer Route, nein wir teilten uns den steilen Aufstieg mit vielen anderen Touristengruppen, die aufgeregt in diversen Zungen kommunizierten und die schmalen Stege und -naturstein Treppen fluteten.

Um so mehr erstaunte mich der Anblick einer Tafel, der den Wanderweg Friedrich Nietzsches anzeigte, der hier im 19. Jahrhundert eine ruhigere Zeit verbrachte. Kaum zu glauben: In seinem einstigen Wohnhaus in Naumburg, dem heutigen Museum, bestaunte ich eine Europakarte mit seinen Reisezielen, die er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit zu Kurzwecken aufsuchte und ich verglich sie mit den Orten die ich besucht hatte. Meine Reiseziele waren naturgemäß weniger und mehr in den Metropolen verortet und ich dachte nicht im Traum daran, jemals seine Wege zu kreuzen. Ich sollte mich täuschen.

Weiter auf dem Weg nach Monaco.

So wie der Übergang nahtlos von der EU ins Fürstentum gleitend von Statten ging, so überzeugte der Anblick der die Berge gebauten Wohnpaläste, der Penthouses und Terrassensiedlungen durch eine Spur mehr Gediegenheit und Luxus,mehr vornehme Exaltiertheit und bodenständiger Snobismus, als die mit Superjachten voll gestopften Côte Azur-Häfen es ohnehin schon taten – hier wohnt das GELD!

Und wenn schon der kleine Park zwischen Meeresmuseum und Kathedrale 3 Park-Ranger, 2 Gärtner und diverse Angestellte für die Sauberkeit im öffentlichen Raum beschäftigte, liegt die Vermutung nahe, hier möchte man Zucht und Ordnung haben und keine skandalösen Zustände wie jenseits des Paradieses.

Ich gebe zu, es ist schön und man fühlt sich als Privilegierter in dieser Welt, wo nur die Abstammung oder das Einkommen zählt. Dennoch regt sich der tiefe Groll und der unbeugsame Widerstand gegen diese so obszön zur Schau gestellte Anhäufung von Reichtum, die mich erst in Monte CARLO erwartete, wo eine Luxuswagen hinter dem anderen die illustren Gäste in das Casino chauffierte.

Ja es wogt in mir der Volkszorn über solch krasse Darstellung von Besitz und Reichtum, den mir in einfachen Verhältnisse aufgewachsenen und durch ehrliche Arbeit grundlos arm gebliebenen beim Anblick der Ferraris, Lamborghinis, Maseratis, Benz und was weiß ich noch in den Sinn kam und dennoch stehe ich sozial weit über den Menschen, die mich täglich, und das besonders jenseits dieses goldenen Käfigs, um eine milde Gabe anbettelten und die Nächte in der Gosse verbrachten.

Genug von perversen Schauspielen der Wenigen (von der Weltbevölkerung) die fast alles auf der Welt besitzen, genug und zurück zu der famosen Landschaft und den freundlichen Bewohnern, die ich dankend kennengelernt habe.

Aber natürlich ist dieses Schauspiel attraktiv und alle Welt will hierher , das sehen und mitspielen. Kaum einer interessiert sich für die schöne Landschaft, diese üppige Botanik oder gar den soziokulturellen Aspekt, nein alle folgen dem Ruf des Geldes. Auf dem kurzen Weg durch einen wunderschönen Park mit blühenden exotischen Pflanzen und riesigen Palmen bemerkt ich ein junges Mädchen mit brauner Haut, dass im Schatten auf der Treppe saß, an ihren Koffer gelehnt und wartete. Sie musterte alle Passanten kurz, Hoffnung blitze kurz in ihren Augen , bis sie sich wieder enttäuscht abwandte. Na auf was oder wen wartest du?, fragte ich mich, ohne mich in Reihe der Möglichkeiten zu platzieren.

Ich habe meine Frieden auf der Terrasse von Starbucks gefunden. Mitten in der Gluthitze ein schattigen Platz mit einem Drink, der meinen Namen trug. Das war so kurios. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich außer eine Menge Geld beim Bestellung eines Eiskaffees auch meinen Namen angeben sollte. Verdutzt sagte ich kurz „Caro“. Jetzt war es an dem jungen Mädchen hinter der Theke sich zu wundern, hatte sie als echte Französin so was nicht erwartet und schrieb mit dem Stift „Ayou“ auf den Plastikbecher, der mal mein Eiskaffee beherbergen sollte. Dann ging der Becher einen geheimnisvollen Weg hinter einer großen Maschine entlang und nachdem eine zweite junge Französin die anstehenden Bestellungen an Hand des aufgeschriebenen Namens zustellte, ja da kam auch mein Getränke und das junge Mädchen blickte lächelnd auf das Geschriebene und erblasste: „Ohoo, C’est quoi?Awow?“ „Ist schon gut – ist der Meinige“ . Glücklich vereint mit meinem kalten Wunschgetränk suchte ich mir einen schattigen Platz in einem Korbstuhl mit Blick auf den Hafen.

Ich schaute direkt auf eine Baustelle mit vielen Kränen, Baggern, schwitzenden Arbeitern und Ingenieuren. In den fast 2 Stunden, die da saß und meine Kaffee schlürfte, ging der große Schiffskran immer hin und her und bewegte zentnerschwere Steine aus einem Riesencontainer auf eine Stelle, die ich nicht einsehen konnte, sicher aber der Hafenrand bzw. die Mole oder Damm war.

Und in dem Riesencontainer war ein kleiner Bagger, der Steine sortierte und verschob. Wie gesagt, keine Pause in der ganzen Zeit, obwohl es hier im Schatten schon über 30 Grad war und dort in der Führungskabine bestimmt das halbe Hundert. Zudem war der kleine Bagger wie ein Insekt gegen den großen Ausleger des Schiffskran, der ihm beängstigend nah kam, wenn er wieder in den Container ein bog, um eine neue Fuhre Felsbrocken zu holen.

Himmelbau – Azure – der Himmel und die See

Es war Zeit zurückzukehren, die Menge zu treffen und mit dem Reisebus zurück zum Hotel nach Nizza zu fahren. Dieser Müßiggang hatte mir gefallen und meiner Pflicht Urlaub zu haben war genüge getan. Jetzt am Nachmittag war das Leben ehe etwas träger und gelassener. Am Park bewunderte ich die vielen Säulchen, die den Handlauf die Freitreppen hinauf stützen. Und ich staunte nicht schlecht, als merkte, dass sie aus rotem Marmor waren. Luxus – pur.

Langsam steig ich die Stufen hinauf, fotografierte scharlachrote, sonnen gelbe und zart bläuliche Blüte, mächtige und stolze Palmen und Pinien, da erblickt ich sie wieder, das wartende Schokoladen- braune Mädchen. Und es berührte mich – ihr Warten und Ausharren, ihre Hoffnung, Ihre Zuversicht und in der Hand das Mobiltelefon, das nicht klingelte.

Ich hatte nun mein eigenen Termin und musste gehen, sollte ich meine Gruppe verpassen, könnte ich mich gleich zu ihr stellen, aber soweit waren wir noch nicht. Noch lange nicht.

Am nächsten Tag stand St. Tropez auf dem touristischen Speiseplan. Im Reisebus zeigte Reiseleiter Niko einen alten Film mit Louis de Funes: Gendarm von St. Tropez (Le gendarm en balade). Obwohl ich mich eigentlich dagegen sträubte, zog mich dieser alte Klamauk wieder in seinen Bann und mich musste herzlich über die Grimassen und die Gags lachen.

Der Ort selbst zeigte am Hafen zunächst das übliche Bild: Eine Luxusjacht neben der anderen; eine teurer als die andere. Natürlich ist hier alles auf den Tourismus ausgelegt. Ein Restaurant neben dem anderen versucht die Passanten einzuladen,dazu Eisläden, Boutiquen, Bars usw. alles rund um den Yachthafen.

Wer reich soll es auch zeigen.

Unerwartet fand ich das kleine Musee de l`Annonciade, direkt in der Innenstadt. Und zu meiner Freude war gerade eine Ausstellung der Neo-Impressionisten Georges Serault( Erfinder des „Pointilismus“), Paul Signac, ( Co-Erfinder) und Eugène Delacroix zu sehen. In dem kleinen, feinen Museum waren die Gemälde thematisch gehängt und zweisprachig erläutert.

Das Musee de l`Annonciade

Meine Aufenthaltszeit reichte leider nicht den ganzen Ort zu erkunden. Ich ging dem Hafen entlang nach Westen, dann im Ort in Seitenstraßen und kam ziellos, aber glücklich auf den Places des Lices. Ein angenehmer Ort zum Entspannen mit vielen Bänken, einem Brunnen und Schatten spendenden Platanen. Ich hielt kurz Rast, aß mein Baguette mit Käse , dazu Quellwasser von S.Pelligrino und war mit mir zufrieden.

Places des Lices, angenehm im Schatten.

Und dann ging ich durch kleine Gassen, vorbei an kleinen Läden, begegnete kleinen Leuten und nach einer kleine Weile und zwei bis drei Navigationskorrekturen fand ich auch den Platz mit dem Gendarmen-Museum, ohne Louis de Funes.

Durch die kleinen Gassen von St. Tropez

Diese Hausfront kenne ich seit meiner Kindheit, meiner Pubertät, als ich rechts vom EISERNEN ZAUN per TV in den Westen schaute, wie Louis de Funes und Kollegen als Gendarmen Jagt auf die Nackten in St. Tropez machten. Ich erinnere, dass diese Filme auch in den DDR-Kinos kamen, analog den Streichen der „Olsen-Bande“.

Hut ab, es war cool. In einem Laden sah ich ein Schild und es war wie ein Geständnis und ein Hilfeschrei: „I love l’hiver“ (Ich liebe den Winter). Ja dann, dann sind sie wieder unter sich und sicher vor den Touristen. Dann ist wieder Ruhe…

Fazit

Wie ich auf einer Karte später feststellte, habe ich von St. Tropez vielleicht 8 Prozent gesehen. Mehr war für mich nicht drin, in zwei ein halb Stunden. Wieder ein Ort, den ich angenehm in Erinnerung behalte. Und wie jedes mal sage ich mir : Es muss nicht das letzte mal gewesen sein…

10 vor 2

Das Leben ist ein Fluss; es heißt schwimmen oder untergehen. Oder sich treiben lassen und auf die Anlegestelle warten. Mit dem Strom schwimmen, im übertragenem Sinne, hat immer Etwas von dem stillen Einverständnis und birgt die Gefahr der Stummen Wut, die sich irgendwann entlädt oder langsam beruhigt und einschläft. Ich sinniere hier über die vertrackte Verkehrsführung in meiner Heimat-Stadt Weimar. Als Betroffener und als Einer, der wie mit fremdem Augen von Außen auf die Situation der Stadt SIEHT. Hier wechselt das Kleinstädtische mit Provinzialischem , der Dorfcharakter mit verträumten Stop- und Go auf der Bundesstraßen-Chaussee.

Das ich bisher geschwiegen habe liegt zu einem daran, dass ich noch kein Blog hatte, :-), zum anderen, dass man sehen kann ohne alles gut zu finden und zu bewerten (siehe Ende).
Auf Reisen im In- und Ausland habe ich gesehen, was Verkehr bedeutet. Es ist mehr als nur ein trivialer Koordinatenwechsel, es ist die Moderne schlechthin. Es muss schnell gehen und weit sein. Der moderne Ortswechsel, die Mobilität ist Ausdruck der heutigen Zivilisation und zugleich sein Fluch. Die Metropolen müssen schnell und sicher Tausende, Zehntausende, Hunderttausende von den Trabanten-Siedlungen zur Innenstadt bringen und ebenso schnell wieder zurück. Arbeiten, Wohnen und Vergnügen sind meist in getrennten Gegenden angesiedelt. Nach wie vor ist das Auto das Transportmittel Nummer 1. Andere Regionen haben verschiedene Gewichtungen: Während im Norden der Republik, in Skandinavien und den Niederlande das Fahrrad eine hohen Stellenwert hat, fährt man damit im südlichen Raum Gefahr überrollt zu werden. Aber überall fahren Autos in unterschiedlichen Größen als seien sie allein auf der Welt.

Parkhaus – Bahnhofsgegend / Flixbus – Ports: Frankfurt am Main

Nur in dem beschaulichen Weimar sind sie alle gleichzeitig im Wettkampf: LKWś, Autos, Busse, Fahrradfahrer, Quad- und Motorradfahrer, Fußgänger, Roller und Kutschen. Immer wenn ich denke, das geht doch nicht, geht es doch, geht es weiter und ich schweige. Doch nun habe ich meinen Blog und bin nicht länger stumm – jetzt ist es Zeit zu sprechen.

Zunächst- Die Stadtverkehrsumgehung ist ein MUSS! Ein Viertel ist geschafft. Ein zweiter zur Hälfte geplant und dann ist nur noch gähnende LEERE! Die Umgestaltung des Sophienstifts-Platzes ist geplant und steht vor der Realisation. Natürlich mit Ampeln! EINFALLSLOS, teuer und nicht zielführend. Dabei geht es auch anders.

Cote dÁzur Sommer 2019 – Diesel ist teurer als Benzin E10!!

Um die Umwelt zu schonen ist eine elegante Regelung in Kraft, die auf Tempobegrenzung setzt und den Strom der motorisierten Lenker richtungweisend sanft aus der Innenstadt kanalisiert. Die Versuchsanordnung, die Bundesstraße mit Tempo 30 zu begrenzen, den Feinstaubausstoß so zu begegnen, hat sich als Dauerlösung entwickelt.
Die Forderung den Goetheplatz vom Durchgangsverkehr zu entlasten ist eine Grüne und schon lange realisiert. Da es sich noch nicht , im Gegensatz zu den festen Blitzern, bundesweit herumgesprochen hat, fahren regelmäßig Orts-fremde in die falsche Richtung und gehen den gelegentlichen Kontrolleuren in die „Netze“.

Dabei geht es nicht darum die Innenstadt zur Entvölkerung freizugeben. Es geht um die Begrenzung der Zügellosigkeit des Individualismus, indem auf den Richtungssinn gesetzt wird und im Klartext bedeutet das : fahre von Süd nach Nord!

Von Nord nach Süd – oh weh,das geht nicht. Es gibt zwei Innenstadt-nahe Routen mit Tempo 30 und Tempo 20 (Coudray und Burgplatz) und zwei Äußere mit streckenweise 50 km/h (Stadtring und Bodelschwinghstraße).

Im Klartext: Entweder langsam und kurz – oder- schneller und lang. Als Produkt steht das gleiche Resultat.

Da frage ich mich: Schont es mehr die Umwelt, werden weniger Emissionen abgegeben, wenn man lange langsam fährt oder kürzer schnell.

Zugegen: Der Entspannungseffekt ist bei langsamer Fahrt höher; mehr Zeit die Gegend zu betrachten, mehr Zeit für die Fahrzeuge, die aus Seitenstraßen kommen, sich einzuordnen.

An dieser Stelle kommt der kulturhistorische Verweis, dass Weimar nur für Fußgänger, Velos, für Kutschen und Sänften gemacht wurde. Und bestimmt nicht für solche Ignoranten, die von Ost nach West oder umgekehrt fahren möchten.

Und hier mein Vorschlag:

Zum Ersten – die Stadtverkehrs – Umfahrung weiter bauen . Von Kreisel Weimar Schöndorf zum Gewerbegebiet Süssenborn. Vom Landhaus Süssenborn über das Neuhöfchen – dem Lauf des Schlufter -zum Tunnel des Papierbaches, (unter der Bahn) – auf dem Papierbach entlang zwischen den Gärten – Plan – Pappelweg – Ehringsdorf – Zum Papiergraben – oberhalb Gelmeroda – Obergrunstedt und wieder zu Nohra / Erfurter-Straße)

Zum Zweiten:

Die wenigen Strecken, die doch noch tatsächlich mit der normalen Geschwindigkeit für Ortsdurchfahrten bedacht sind, auch auf 30 Stundenkilometer zu beschränken. 30 km/ h für die ganze Stadt. Wir sparen Tonnen von Verkehrsschildern.

Und schaltet endlich die Ampeln ab!!

Überall gilt die alte Regel Rechts-vor-Links! In der ganzen Stadt!

Bis auf die Ausnahmen: Die Magistralen!

Weimar hat nicht eine zweispurige Straße – außer der Umgehungsstraße, aber die hat genau genommen ein Ortseingangsschild an ihrem Anfang/ Ende. – Kutschen und Sänften!-
Und die Verkehrsleitwege, eine Straße für den Hin- und eine für die Gegenspur zu leiten – geht in Weimar nicht! In einer normale Straße in Weimar, die in anderen Städten glatt zu schmal für eine Einbahnstraße wäre, kommt dir in Weimar garantiert jemand mit seinem Fahrzeug entgegen. In Weimar ist dafür einfach kein Platz! !!Kutschen und Sänften!!

Alternative für Ampeln wären Kreisverkehre wie im europäischen Süden denkbar. Das gleiche – Platzprobleme

Nicht klein gedacht ,wie der Kreisverkehr , der nicht auf dem Sophienstiftsplatz gebaut wird sondern, größer gedacht!: Stadtring, Belvederer, Lutherer, Bodelschwingh, Jenaer, Ebert, Rießner und durch die Unterführung wieder auf den Stadtring. Das ist der Hauptweg, – die Trasse – .
Dabei sind die Bahnunterführungen nur für eine Richtung offen- die Ettersburger stadt-einwärts und die Buttelstädter stadt-auswärts.
Es muss aber dafür eine nahe Verbindung dazwischen entstehen. Am Haupt-Bahnhof entlang!

Innerstädtisch ist so eine Magistrale auch denkbar – denn ! Der Clou: Nur auf den Magistralen ist ein gegenseitiger Verkehr erlaubt. Nur hier darf man auch in die andere Richtung. Daher müssen Wendepunkte eingebaut werden. Wende-Kreisel.
Weil: Alle übrigen Nebenstraßen werden zu rechts fahrenden Kreisel erklärt. Nur immer in eine Richtung. Will man ein Ziel am linken Rand erreichen, so geht das nur über die Magistralen oder zweimal rechts fahren. Ausnahmen sind die Straßen und Gassen, die keinen Ring bilden also Sackgassen-Straßen.

Zusätzlich zu der Trasse können noch kleinere Magistralen entstehen, wo es die Straßenführung erlaubt. In den Wohngebieten bleiben aber die Einbahnstraßenführungen.

Schluss mit dem ewigen Warten an roten Ampeln und der anschließenden freien Fahrt für 40 Meter bis zur nächsten roten Ampel. Wir brauchen doch keine Lichtsignale uns den Weg zu weisen. Im Geheimen habe ich mir schon immer gesagt, wir, die betroffenen Autofahrer, legen Geld zusammen, um der Stadt ein Angebot zu machen, die Ampeln auszuschalten, damit wir nicht nachts auf einer totalen leeren Straße minutenlang auf die freie Fahrt warten müssen. Kein Eintrag mehr für eine überfahrende Ampel. Ist doch super!

Und mit dem Argument, es passieren Unfälle ohne Ampel, sage ich Ha!- Keine Streitigkeiten mehr, keine Versicherungsfälle. Und ha!, gab es ein Problem, na dann wird einfach die Straße geschlossen, so wie die Jean-Sibeliusstraße. Aus , fertig!! Erziehung!! Mitdenken!!

Immer nur rechts und Tempo 30 fahren. Die perfekte Verkehrsführung. Parken wie in einer Einbahnstraße links und rechts. Die Ausfahrt dennoch nur in eine Richtung. Sanfte Straßenbebauung unterstützen den Rechtssinn.

Der Busverkehr passt sich den Verkehrsströmen in der Richtung an. Der Goetheplatz ist Umsteigepunkt in EINER Richtung. Die Coudraystraße für die andere Richtung! Der Kreisel geht über die Schwansee und den Sophienstiftsplatz! Mit Vorfahrt. Andere Richtungen können NUR rechts einbiegen. Linksabbieger müssen einmal um den Block!

Alles kommt von rechts. Aus. Entweder rein (recht)s oder raus (links oder rechts)s. Oder noch eine Runde fahren. Und das mit Tempo 30. Wegen der Umwelt!!

So, was hat das alles eigentlich mit der Überschrift zu tun?

Seit einigen Jahren zeigt die große Uhr an der ehemaligen Post und heutigen Fitnesscenter mit Postfiliale zweimal am Tag, die genau Zeit an . Einmal am Tag und einmal des Nächten. Niemand stört das – oder? Wem das nicht reicht, schaue nicht hin oder alle die was ändern wollen legen zusammen …finden ein versierten Uhrmacher und – und es würde sich was tun…
Gebe auch die Einnahmen für diesen Blog-Beitrag dazu. Wenn etwas hereinkommt. Mal schauen…

„The fool on the hill sees the sun going down
And the eyes in his head see the world spinning round“
(„The fool on the hill“ -The Beatles-)

Reisen bildet…(Teil 1)

und wenn sie gut war war sie mehr als nur Einbildung. Das Besuchen fremder und bereisen fremder Länder, erweitert mehr als nur den eigenen Horizont. Unbekannte Kulturen, exotische Küche und Traum-Strände zum All-in-Inklusive-Tarif locken in den Angeboten der Reiseagenturen.

Na mir reichen schon europäische Gefilde und überschaubare Ziele. Es ist mir lieb zu erfahren, dass das europäische Ausland gar nicht so anders ist, als wir hier in Zentral-Europa in unserem Deutschland. Da sind die Unterschiede vielleicht noch größer.

London-Eastside

Meine Touren durch Deutschland unternehme ich abseits der Hauptreisezeit. Ich suche mir eine Stadt, besser eine Metropole und darin ein preiswertes Hotel für meine Aufenthalt. Da ich nur meine Tage in den Kultureinrichtungen zu verbringen gedenke, reicht eine Bleibe am Rande der Stadt. Von dort starte ich meine Unternehmungen, auch gern abseits ins Land hinein.

Ich plane an Hand des Internets meine Etappen, der Öffnungszeiten und den Weg dahin. Dabei besuchte ich schon die Ecken um Berlin, Hamburg, Stuttgart, München, Essen oder wie jetzt, Frankfurt am Main.

Street-Art am Hauptbahnhof Halle/Saale

Von Frankfurt, selbst üppig in Sachen Kultur bestückt, fuhr ich nach Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und nach Koblenz. Dank des hervorragenden Nahverkehrs war das ohne weiteres per S-Bahn möglich.

vom Zug aus fotografiert

Also entlang des Rheins, den mein heutiges Ziel war Koblenz. Mit dem überfüllten Zug im Hitzestau, dass zehre nicht nur an die einheimische Nerven. Mein Plan war die Reise und daher hatte ich keine Probleme mit dem Transport. Ich lernte die Leute in diesem Teil kennen. Nach meiner Herkunft befragt, wusste die meisten von dem fernen Bundesland, das keiner kennt. Eine Frau sagte mir, sie sei vor 40 Jahren aus der Zone ausgewandert und lebe nun hier mit Familie.

Zu diesem Thema habe ich noch eine Anekdote: Diese Ticket nur im Inland gültig ist, stieg ich in Kehl aus und vor dem Bahnhof ist die Haltestelle für die Tram, die nach Strassbourg fährt. Am Automaten war ein junger Mann, der bereitwillig den Reisenden half, das richtige Ticket zu ziehen, da der Automat nur französisch kann. Es stellte sich heraus, der Mann war von der Bahnhofsmission in Kehl. Toll. Auch mir half er. Und noch den Tipp zu Fuß über die Brücke zu laufen, weil die Tram auf der anderen Seite eher kommt.

Bahnhof Kehl

Ich traf ihn wieder, als ich auf dem Bahnsteig bereit zur Rückfahrt stand. Ein Mann mit Fahrrad beschwerte sich, das der Aufzug nicht ging. „Doch“ sagte er,“ aber nur runter!- Es ist kurios, der Aufzug geht nur in eine Richtung“ Das hat den Mann nicht beruhigt und er ging schimpfend und fluchend weiter.

Ich sprach nun mein Mann an und dankte ihn für die Hilfe vom Vormittag.Wir kamen dann ins Gespräch – woher-wohin-Urlaub – Kehl – Strassbourg – Tram -Automaten. „Wieso heißt es eigentlich Münster Strassbourg und nicht Dom oder Kathedrale?“ Nun ich wusste es nicht, hatte mir aber auch schon mal Gedanken gemacht und Wikipedia aufgerufen. Mein Mann war der Ansicht:“ Münster heißt es wenn die Stadt, wenn es die Bürger finanziert haben, Dom wenn es der Papst bezahlt“(Sic!!unwahrscheinlich)Später outete ich mich,dass ich in Freiburg nur für den Urlaub wohne und eigentlich aus Thüringen komme. Darauf er weltgewandt: „Thüringen, Thüringen das kenne ich. Das ist doch wenn man mit dem Flixbus nach Berlin fährt die zweite Station. Zuerst kommt Bayern und dann kurz nach der Grenze … eh, Leipzig!!“ Ich: „Mmh“ Und dann er kurz darauf:“Ist das Leipzig eigentlich groß?“ Und ich generös (ohne es eigentlich genau zu wissen:“Größer als Freiburg und Kehl zusammen!“ Uh, das saß. Ich fand ihn trotzdem nett.

Das Münster in Strassbourg – Mai 2019

In Routhenburg ob der Tauber traf ich einen Mann in meinem Alter, der vorbei kam, als ich an einer Mauer lehnte und an meiner Maultrommel zupfte. Weiß auch nicht mehr wie wir ins Gespräch kamen, aber er bemerkte sofort an meiner Aussprache, das ich ein Ostkind bin. Er bediente sich andere Ausdrücke und spielte die Klaviatur des überheblichen Westler herauf und herunter und war eigentlich selbst nur ein abgefrackter erwerbsloser Architekt mit offensichtlich Alkohol- und Beziehungsproblemen und in dem weiteren Verlauf unseres Gespräches kam die Vision eines ähnlichen Lebens nur links und rechts des eisernen Zaunes heraus. Wir lernten beide voneinander, dass das Leben, je nach Möglichkeit, genauso vorbei ging und je nach persönlichen Einsatz erfolgreich war oder nicht war. Und ich lernte das das Leben in dem beschaulichen mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber jenseits der Touristen kein Spaß ist und immer schwieriger wird. Und da half auch nicht der Mummenschanz und die Paraden, die die Einwohner am Pfingstwochenende pflegten, indem sie die Einnahme des Ortes durch den Kaiser Karl V im Dreißigjährigen Krieg jedes Jahr wieder und wieder nachspielten.

Pfingstfest Vorbereitung

Diese Unterhalt, so entfernt entzweiend sie begann, währte mit einigen Ortswechsel immerhin zwei und eine halbe Stunde, bis mein Gesprächspartner vorgab pissen gehen zu müssen , denn eigentlich wollte er nur neues Bier kaufen.

vom Zug aus fotografiert

Zurück zum Text meinen Aufenthalt in Frankfurt und Koblenz – – Ich traf eine ältere Frau im Zug von Koblenz nach Frankfurt, und wir waren allein im Abteil. Am Anfang waren noch viele Schulkinder und ältere Pensionäre an Bord, aber nachdem wir die Küste verlassen hatten und in die Berge fuhren, lichtete sich das Coupet. Ich hatte die angespanntere Route durch das Lahntal gewählt und absichtlich die Stecke entlang des Rheins gemieden. Orts unkundig war ich neugierig, welcher größeren Stadt wir uns nun näherten, denn bisher ging es nur durch den Wald, vorbei an Bächen und Bergen. Sie sagte es wäre Limburg an der Lahn.

„Ah, dassss Limburg?“ rief ich, weil unmittelbar zuvor der Erzbischof vom Papst in den Ruhestand geschickt worden, nachdem bekannt wurde, dass er die Kirchenpfründe mit beiden Händen verprasst hatte und in seinem Neubau goldene Wasserspender montieren ließ.

Die Frau bejahte und zeigt mir eine tief verwurzelte katholische Gesinnung, die ihre Grundfeste des Glaubens von so einer Bagatelle nicht beeinflussen liesen. Ich wollte aber auch nicht mehr in sie drängen und mit analytischen Bemerkungen ihren Widerspruch reizen. So bemerkte ich nach einer Weile, dass der Blütenstand der Apfelbäume, an denen wir gerade entlang fuhren, weiter als bei mir zu Hause sei. Sie fragte höflich wo das sei und konnte mit meiner Antwort „Thüringen“ so recht nichts anfangen: „Ist das nicht der Osten?“

Wir plauderten noch eine Weile, bis sie mich im Ernst nachdenklich fragte: „Sind die Leute im Osten eigentlich anders als wir?“ Meine Antwort kam etwas verlegen, weil ich das Gefühl hatte, sie schließe mich mit ihrem „Wir“ auch ein, aber mutig beruhigte ich sie:“Nein, sie sind genauso wie hier. Sie gehen zur Arbeit, lieben ihre Kinder und am Sonntag auch in die Kirche.“

Woher ich meine Weisheit als bekennender Atheist nahm, ist mir bis heute ein Rätsel. Es war schließlich das Jahr 2016 und der Mauerfall beinahe schon dreißig Jahre her. Sie schien für das erste mit meiner Versicherung zufrieden zu sein. Immerhin zwei Jahre zuvor war der Skandal um den Bischof Tebartz-van Eltz und die Sorgen und Probleme der Region bestimmt nicht geringfügiger. Okey, meine Antwort habe ich auch ein klein wenig von dem Sting- Song „Russians“ entlehnt und variiert, mit der Anmerkung, so verschieden seien die Völker doch nicht, schließlich würden auch sie ihre Kinder lieben: the Russians love their children too“

Und es bewahrheitete sich wieder der kluge Spruch von dem von mir seehr geschätzten britischen Autor Graham Green: „Niemand kehrt so von einer Reise zurück, wie er gestartet ist…“

Ups, durch den Anbau des Hotels ist es nicht so einfach zu fotografieren!
Vorher war die Wand leer
Weimar, Amalien-/Humbodtstraße

Ich hätte ihr und mir von den einfachen Leuten erzählen können, die über all gut und schlecht, arbeitsam und faul, satt und gefräßig sind. Die meisten sind zufrieden und/oder die meisten sind es nicht. Die es nicht sind spielen Lotte und die anderen geben ihr Geld für Reisen aus. Für mich war es wieder der Beweis, das reisen bildet und wenn man es nicht tut, dann hat man eben Lücken und verpasst den Anschluss…

Seltsame Gedanken … oder Kunst ist das Salz des Lebens!

Auf den Touren durch die europäischen Metropolen liegt mein Schwerpunkt auf den Besuch der Kultureinrichtungen und das Kennenlernen der musealen Schätze der westlichen Welt.

Diese Aussage reduziert mein Kunstsinn auf die Früchte der europäischen Kulturen, schließt aber andere Teile der Welt nicht generell aus; ist nur Ausdruck für den erzieherischen Einfluss meiner geografisch, politischen Heimat und deren Hemisphere.

Regenwasserspeier – Augustinermuseum, Freiburg/Breisgau

Das schließt nicht aus, dass andere Kulturkreise mich nicht beeindruckten: Anders gesehen – besonders afrikanische, karibische, polynesische Kunst der Ureinwohner ist für mich der Ausdruck des Elementaren mit enormer Symbolkraft und der Reduktion auf das Einfache, das Ursprüngliche.

So, nach dieser kurzen Einführung und den gesteckten Rahmenbedingungen geht es nun an das Eingemachte. Warum , eigentlich?

Wir können ganz vorn anfangen, am Anfang, den es nicht gab! Die Archäologen und Ethnologen fanden Artefakte aus grauester Vorzeit, die beweisen, das es Künstler gab, die Gegenstände herstellen, die keinen direkt messbaren Gebrauch dienten und die eigene Umwelt als Symbol reflektierten, wie Knochen-Figürchen von Mann und Frau : Symbole der eigenen Existenz. Oder die Darstellung von Tier, als die Verehrung der Kreaturen, die für das Überlebens der eigenen Rasse gejagt wurden.

„Der Sündenfall“ Süddeutschland, um 1530/40 – Augustinermuseum, Freiburg/Breisgau

Es begann sich also sehr früh in der Menschheitsgeschichte Individuen herausgebildeten, die Fähigkeiten hatten, Kunst zu produzieren. Sie unterschieden sich von ihren Artgenossen und eine (lustige) Theorie besagt, es seien die Nachkommen von Kain, dem Brüdermörder, die mit dem unsichtbaren Kain-Zeichen auf der Stirn seither der Kunst verbreiten; als Wandersmann, Gaukler, Schausteller oder Musikanten. Man kann aber gleich auch die anderen Musen der Kunst mit dazu zählen, da sie geboren wurden um den Rest der Bevölkerung in Staunen und in Bewunderung zu versetzen.

Der Kunstschaffende ist in der Lage zu Abstrahieren. Gegenständliches zu Modellen zu reduzieren.

Kunst ist das Salz des Lebens – dieser Satz gibt den Sinn meiner künstlerischen Entwicklung wieder.

Ohne Salz stirbt jeder höhere Organismus; es hält den bio – chemischen Motor im Gang und sorgt für Attraktion und Würze.

Kunst ist nicht das Fleisch, nicht das Blut oder die Seele des Daseins. Kunst ist der kleine Beitrag zum Ganzen, der Lebensnotwendig und eine gehaltvolle Bereicherung ist.

Johann Wolfgang Goethe schrieb: „Manchmal verliert das Leben derart den Reiz,dass man es dem Firnis der Fiktion wieder auffrischen muss“

„Goethe“ von Andy Warhol, Museum Städel in Frankfurt/Main

Das kann Kunst! Aber es ist mehr! So wie Salz den Organismus am Leben hält, das Funktionieren der Zellen, alleine und im Verband der Aber-Millonen- – so kann ein Volk nicht ohne die Kunst und seine Schaffenden sein; ausgenommen die Braunen, die Nazis und auch die haben eine merkwürdige Art von Kunst glorifiziert – – eine „Artige Kunst“. Nicht von ungefähr war es in Deutschland mit der Flucht und Vertreibung , den Exodus der Intellektuellen und der Shoa der Juden vorbei mit ihrer herausragenden Rolle in Wissenschaft, Technik und Kunst, vorbei und zu Ende; ein jähes Ende fern jeder Wiedererlangung einstiger geistiger Größe!

Bald lebe ich länger in der BRD als vorher in der DDR!
Es vermischen sich immer mehr Eindrücke, die nicht mehr dieser oder jene Epoche zuzuordnen sind. Mehr und mehr wird der Unterschied bedeutend , nicht der digital native sondern ein digital imigŕant zu sein. Den Computer von den Ursprüngen an zu kennen und einen gebaut zu haben ist UNWICHTIG.
Was bleibt ist die Flucht in die Kunst … da können die ’nerds‘ nicht mehr folgen!!

Eine totale Erinnerung an die Zone habe ich noch: Es war GRAU in GRAU!
Und noch eine Spur mehr, als ich vertragen kann. Denn war nicht nur der Alltag grau und hässlich, Baustelle, Pfützen und Schlagloch und Versorgungsmiseren, so trug ich auch noch grässliche Mode, DDR-Jugend-Mode, was sonst keiner anziehen wollte und ohne Beziehung und mit Bakschisch die Verkäufer zu schmieren bleib nur der erbärmliche Stangen-Rest- unverkäufliche Ware!! Und dann noch kein Internet und keine Bravo am Zeitungsstand.

„mein selbstgebauter DDR-8-bit-Lerncomputer LC80“ funktionierte nur mit Ẁest-RAMś

Soso, das war mein Rundumschlag gegen das DDR-Establishment und den Lifestyle der kommunistischen Jugend. (mit ihrem Jäh-Jäh-Jäh)

Aber zurück zum Thema.

Kunst ist die Bewusstseins – Erweiterung ohne Substanzen und Halogene.
Und als Abschluss ein Satz von Picasso (aus dem Film „Beuys“ von Andres Veiel)
„Kunst ist nicht dazu da um unsere Wohnung zu drapieren, sondern Kunst ist Mittel im Kampf gegen den Feind…!“

Pablo Picasso „Femme“ 1930, Pinakothek der Moderne, München

Wie ich zu zeichnen anfing…

Soweit wie Jede(r) oder die meisten habe auch ich mit Bleistiftzeichnungen angefangen, als ich ernsthaft Künstler werden wollte.

Der Ẃunsch die Gegenwart auf das Blatt zu bringen, ist mächtiger als das Können. So machte ich genauso die Anfängerfehler, wie jeder Deputant. Im Grunde mache ich die Fehler noch immer, bemühe mich aber, sie zu überspielen. Es bleibt das Mysterium, den Eindruck zu fangen und die Situation zu meistern.

Der Bleistift ist ein nützliches Instrument schnell und differenziert zu arbeiten. Es gibt ihn von Ultra-hart bis Mega-weich und in verschiedenen Minenstärken. Er ist klein und kann überall mitgenommen werden. Besonders in dem letzten Jahrhundert war der Bleistift allgegenwärtig und ein Symbol für Genialität und Innovation.

Es ist allenthalben zu beobachte ,dass mit den Bleistift eher die kleineren Blattformate befüllt werden und das die Zeichner bei Missdeutungen sofort zum Radiergummi greifen und zumindest den letzten Teil vehement tilgen. Für die größeren Formate ist der Bleistift nicht zielführend, weil man doch ein großer Meister sein muss um die Flächen mit dem kleinen Strich zu füllen.

Der Bleistift ist gut für die Linie, versagt aber eher bei der Fläche. Wenn es um Schatten geht, hilft da die Schraffur. Diese kann man nun fleißig mit verschiedenen Techniken und Stichmuster in oder gegen die Richtung der Wölbung oder dem Schatten ziehen. Wenn es ein harter Kernschatten ist bietet die Kreuzschraffur gute Dienste.

Fineliner – Zeichnung „Aktstudien“

Oder machen füllt den Schatten oder tieferen Stellen mit einem weichen Stift, der flächig abdunkelt. Das ist auch die Gefahr für das ganze Blatt – eine einzige verschmierte Grafit-Studie. Die Zeichnung sollte man fixieren, damit sie ihren Charakter länger behält. Oder in einem Bilderrahmen hinter Glas montieren, damit die Umwelteinflüsse nur gedämpft an das Meisterwerk kommen.

Ich habe für mich festgestellt darauf zu verzichten.

Zum Einem ist mir das Radieren leid. Die Linien, die „falsch“ sind, werden radikal ge-ext und es verbleiben nur Flusen und Krümel.

Dabei ist es doch besser, neben die falschen die richtigen Linien zu setzen und dies zu betonen! Das ergibt eine gewisse Lebendigkeit und ein Gefühl für Bewegung. So machen Künstler bewusst eine Unmenge von Linien nebeneinander um eine Ablauf zu erzeugen. Ihre Figuren „leben“ und sind „agil“.

Das andere ist die Stifthaltung.

In der Schule lernen wir schon den Stift zu halten, in zwischen Daumen und Zeigefinger zu fixieren und so geführt auf das Blatt zu bringen. Dabei entsteht ein Fluss vom Augen über das Gehirn , den Arm die Hand in den Stift hinein. Wir konzentrieren uns und der Stift in der Hand folgt den Koordinaten , den Ihn das Gehirn vorgibt.

Das ist gut fürs Schreiben und technische Zeichnen. Alles akkurate und technisch versierte sollte so entstehen. Aber doch nicht eine Freihandzeichnung , die das Objekt „mit unseren Augen“ erfasst und es als Eindruck auf das Papier bannt. Es entsteht doch keine technische Zeichnung, kein Foto!. Wir wollen doch keine schnurgeraden Linien zeichnen, die in der Natur nicht vorkommen. Unsere Umwelt ist schief und krumm, bis auf die vom Menschen geschaffenen Dinge.

„Akt auf Arme und Knie“

Und unser Körper ist nun absolut rund und gewölbt. Da ist nichts gerade. Und deshalb bin ich für die Handskizze, wo der Stift; besser noch die Kreide , locker in der Hand liegt und lässig aus dem Handgelenk über das Blatt geführt wird. Dann ist Zeit das Objekt zu studieren und zu betrachten und die Hand folgt dem Auge ohne Umweg über Gehirn und Bewegungsapparat.

Es erfordert Übung , die mental beginnt. Auch den Mut des Scheiterns.

Ich wende diese Technik bei den Kohle- und Pastellzeichnungen an. Sie gibt mir die Freiheit, mich im dargestellten Objekt frei zu bewegen. Die Kante der Kohle wird Linie, die Fläche gibt Schatten und Hintergrund. Es geht viel schneller als mit dem Bleistift und der Erfolg, zumindest den, dass das Blatt schnell voll wird, gibt wiederum Zuversicht.

„Sitzende von 2015“

Sei es drum … frohes Schaffen!!

Bin München glücklich entkommen!

Der Urlaub ist rar und kostbar.
Die Planung beginnt schon früh aber Dinge ändern sich manchmal.
Mein erstes geplantes Reiseziel war weg und so entschied ich mich für ein Ersatz:
3 TAGE MÜNCHEN
Ein bezahlbares Hotelzimmer zu finden war wieder erwarten doch easy.
Ok, vielleicht ist in dieser Zeit – Mitte Juni – in der Stadt kein Großereignis und damit meine Preisklasse im Keller.

Also Anreise – durch das kryptische Labyrinth am Hauptbahnhof – das Ziel finden – den Unterschied zwischen S-Bahn und U-Bahn erkennen und die Vorteile abwägen – das Falsche wählen – am Ostbahnhof rat- und rastlos das Gleis, die Etage und den Anschluss suchend – kam ich endlich im Bahnhof Trudering an, fand schnell den Weg entlang Öko-Neubauern – und durch den Abkürzungsweg ( glaube dem Navi nicht ALLES) und dank dem sachdienlichen Hinweis einer Mitarbeiterin einer Bäckerei , die extra aus dem Geschäft kam und mich anrief – musste sehr deppert mit Koffer, Handy und Fragezeichen-Gesicht ausgesehen haben – auch glücklich den Hoteleingang gefunden.

Drei Tage in einer Metropole ohne festen Vorhaben und gesicherte Termine. Mein einziger Plan war der Besuch von Ausstellungen. Die Orientierung war dank Smartphone doch recht einfach, nur der Weg dahin nicht. Denn in München wird gebaut. Und es war eine Affenhitze!

Der Hauptbahnhof ist Innen und Außen  eine einzige Baustelle. Teile sind gesperrt, Umleitungen und Irrwege, weil z.B: Ausgänge gesperrt sind. Die Menschen eilen durch die Gänge und Flure. Eine emsige Geschäftigkeit bemächtigt die Reisenden und Flanierer. Es vergeht keine Fahrt auf der Rolltreppe, ohne dass Leute hektisch an einem vorbei laufen. Aber das ist so in jeder Großstadt,

 

Die U-Bahn-Station „Sendlinger Platz“ ist eine kolossale Baustelle. Dieser Eindruck ist nicht zu verbergen – hier gibt es nur Baugitter, Umleitungen, Sperrzäune und  Hilfsrampen. Die Kabel hängen verkleidet an der Decke, Neue und alte Abgeschnittene und auf den Trockenbauverschalungen, sind die Umrisse mancher gespachtelter und geschliefene  Gips-Schellen mit Stiften von unbekannter Hand zu kleinen Meisterwerken veredelt. Meistens zu kleinen Mäusen oder Affen. Auch ich habe hier eine kleines Denkmal gesetzt – der Gipsfleck hat mich sofort an die Umrisse einer Blondine erinnert – und schnell den Stift heraus und zack die Augen -zack den Mund – ein Ohr und natürlich die Brüste – und bums – schon kam die Metro und Adieu Kunstwerk!

Durch die Hitze über 30 Grad war natürlich ausgedehnte Strapazen tabu. Besonders in der Mittagsglut suchte ich schattige Orte in Parks rund um die Pinakothek auf und beobachtete die Jugend, die hier lernt und studiert um unsere Zukunft zu sichern! Diese hier aber  waren nicht daran interessiert, dass Bruttosozialprodukt wesentlich zu vermehren.

Der Ernst des Lebens ist  an den Mitarbeitern der Museums zu beobachten, die teilweise in größerer Zahl als die Besucher in den Räumen waren und je nach Herkunft und Integration sich mit den Kulturgütern befassten, die sie bewachten und dem staunenden Gästen präsentierten, oder doch mehr den Gruppenkontakt mit Gleichgestellten suchten oder ihre sozialen Kontakte online pflegten.  Doch nicht nur in den Museum der Modernen Kunst, die mit großflächigen Exponaten anerkannte Meister ihrer Zunft aufwarteten, die unterdurchschnittlichen Kinderzeichnungen nicht unähnlich sahen, ebbte das Interesse von den Anwesenden jäh ab, und in vermeintlich unbeobachteten Momenten, sank die Aufsichtsperson  auf das bereitstehende Kanapee oder belustigte sich mit seinem Smartphone, nur aufgeschreckt, wenn ein einsamer kunst-sinniger Besucher um die Ecke kam. Das einige Museum mit der Ausnahme von dieser Regel, die ich in ganz Europa beobachtete, ist die Berlinische Gemäldegalerie. Dort hat wohl die Gewerkschaft der Aufsichtspersonen das Recht durchgesetzt, dass ihre Mitglieder in bereitstehende Klappstühle setzten dürfen und nicht durch die Anwesenheit von Besuchern gestört werden dürfen. Ich finde das übrigens in Ordnung. Warum sollen sie nicht sitzen, wenn sie stundenlang Dienst haben. Und wenn der Gast eine Frage hat, wird ihm schon geantwortet. Also Klasse! Berlin!

 

Um nun auf den Titel des Blogs zu kommen: Der Abreisetag.

Ich komme auf den Hauptbahnhof und finde, dass der beabsichtigte Zug offensichtlich sehr beliebt ist. Dutzende Leute stehen da und warten auf den Einzug des Zugs. Leute mit kleine und großen Gepäck, Trolleys, Rucksäcken, Koffern, Fahrrädern, Kinderwagen, Bierkästen, Schlauchbooten, Segeltuchtaschen.

Der Zug schob die Abteile in den Sack-Bahnhof langsam herein. Die letzten Waggons hatten die Aufschrift Praha – Prague – Prag! Kaum kamen die Coupes zum stehen begann der Wettlauf auf Platz und Sieg. Ich eilte den Bahnsteig entlang, fand aber kein Abteil mit dem Namen meines Zielbahnhofs – Hof! Entschloss mich erst nach Prag zu fahren und dann .. mal schauen! Durch Glück bekam ich den letzten Sitzplatz auf einem Not-Klapp-Sitz. Immerhin. Den nun begann eine Odyssee von Reisenden, die an meinem Platz vorbei den Gang entlang hasteten. Auf der Suche nach einem Sitzplatz. Ich kannte keinen der Leute aber manche erkannte ich wieder, wenn sie auf dem Rückweg an mir wieder vorbei kamen. Es waren einzelne Reisende beiderlei Geschlechts, kleine Familien mit nörgelnden Kinder, große Familien südländischer  Abstammung mit ruhigen fatalistisch blickenden Kindern, Frauengruppen mit Taschen und Blumen, Männergruppen mit Blasmusik und Bierkästen und so weiter und so weiter.

Meine Mitreisende in den Abteil waren eine Ehepaar auf der Fahrt in den Urlaub, eine Oma auf der Heimreise und ein unauffälliger junge Mann. Ich versuchte durch kleine witzigen Einwürfen zum Nachteil der Reisenbahnbetreiber die Reisesituation zu entspannen, was auch durchaus freundlich erwidert wurde, aber dennoch kam es über die lange Reisezeit zu ermüdenden Pausen.

Das Ehepaar fuhr nach Prag, dem Ziel und Zweck dieses Zuges. Ich weiss nicht, ich hätte den Mann sofort als typischen Tscheche auch ohne Nachweis gehalten, aber nein, sie waren noch nie dort und ihr bayrischer Dialekt lies auf Einheimische schließen. Hätte gern den Mann gefragt, ob er eingewanderte Vorfahren habe,allein der Anstand hielt mich zurück. Manchmal ist der Physiognomie eines Menschen für mich Indiz für die nationale Herkunft. Aber das sind nur Phantasien, den in der heutigen Zeit ist der Wandel die Regel und niemand hat Anspruch auf eine reinen Stammbaum bis Adam und Eva.

Natürlich gäbe es noch viel zu berichten, von der kleine Gesellschaft in dem  Coupe mit den 3 Stofftuchsesseln und den 2 Klappsitzen, der versagenden Klimaeinrichtung, dem Herren, der sich in den Gang stellte und sein Gepäck in die Gitter über den Sessel  -ohne zu fragen – abstellte, von dem  Mann mit dem Äußeren eines Vertreters der Unterschicht, der sich einfach in den Gang fletzte , mit dem Rücken genau an der Durchgangstür; von dieser Durchgangstür, die mittels Knopfdruck automatisch zu öffnen war und dem Unvermögen vieler Reisenden – vornehmlich älterer Damen – dies auch so zu tun und eher lieber mit Gewalt an dem Knauf zerrten, kurz es gäbe noch so viel zu erzählen, aber es kam der Umsteigebahnhof.

Der Betreiber „AleX“ hat spontan und kurzfristig einen kompletten Zug für die Reisenden in den Norden bereitgestellt ,den selbst meine Bahn-Navigator –  App nicht kannte und es begann der Lauf von Bahnsteig 2 zu Bahnsteig 1. Denn dazwischen war eine Unterführung. Und da die Leute nicht wussten, wann der Zug abfährt, rannten alle wie um ihr Leben.

Das war auch das Aufregendste an diesem Teil meiner Reise, denn ich hatte noch zwei Umsteige vor mir. Nach einer grandiosen Fahrt durch die bayerische Mittelgebirgslandschaft erreichte wir Hof und ich suchte nun mein Abfahrtsbahnsteig 1 b.

Der war etwas außerhalb dem was als Bahnhof gelten kann. Die Verbindung in abgelegene Regionen von unbeliebten Bundesländer gilt als exotisch und damit fristet es ein Randdasein.

Genug Reisende um zwei Triebwagen zu füllen wurden gefunden und eine junge Punkerin mit Irokesen – Haarschnitt und Ohrenringe öffnete dei Fahrertür, legte mehrere Schalter um und  starte der Koloss souverän und wir fuhren durch das Vorland in Richtung Thüringer Wald.

Die Gegend, die am Fenster vorbei flog wuchs allmählich im Grünton an, durchbrochen von Fetzen Gelb und Blau bis hin zum Hell braun. Wir fuhren ewiglich durch den Wald und hatten ziemlich Tempo drauf. Wer plante, diese eine Station zu wandern, sollte sich auf einen Tagemarsch gefasst machen.

Aber die meisten Mitreisende hatten nur Augen für ihr Smartphones, dass sie ständig penetrierten. Ich bildete mir ein, sie hätten Messgeräte für Luftdruck, Strömungsmenge, Distanzen, Isobare, Beschleunigung oder Hydro-  bzw. Barometer und wären ein Teil einer Forschungsgruppe, die die Auswirkung von beschleunigten Festkörpern auf die Massenpsychose unter Feldbedingungen von schwach Oxidation leeren – Raum in ländlicher Umgebung ohne direkte Infiltration durch animalische Störfaktoren.

Und dann mitten im Nichts – wir standen! Eine freundliche Computerstimme sagte uns, das wir auf Grund eines unbekannten Grundes auf unbestimmte Zeit nicht weiterfahren.

Mein erster Gedanke war ob der Proviant reicht. Dummerweise habe ich den größten Teil schon gegessen, aber ich hatte genug Wasser für eine Mittelgebirgs-Querung und Gott sei Dank noch das Frühstück für den arbeitsfreien Sonntag mit. Die anderen Reisenden machten mimisch keinen Glücklichen, aber auch keinen verzweifelten Eindruck. Manche schienen , versunken in ihr Mobilteil, die Situation gar nicht verinnerlicht zu haben. Meine Panik hatte ich übrigens unter der Maske der gelangweilten Gleichmut verbergen versucht, aber es half nichts, meine Anschlusszug konnte ich wohl vergessen. Ich wollte den nächsten Zug heraussuchen – ufz – Funkloch und keine Chance.

Dann ging es doch weiter. Wir fuhren wieder mit chaotischen Tempo durch die grünende Flur. Langsam kam auch bewohntes Gebiet in den Fokus. Die Computerstimme informierte mich, das es ein Bedarfshalt ist und wenn ich den Drang verspüre im Nichts aussteigen zu wollen, solle ich jetzt den Knopf drücken. Ich verspürte natürlich kein Drang aber der Zug hielt doch. Wieder wuchs die Abstandszeit zu dem Anschlusszug.

Wie aus dem Hut gezaubert kam plötzlich die Zugbegleiterin und kontrollierte unsere Fahrkarten. Natürlich war die Verspätung ein Thema. Ich erfuhr, dass Mitreisende noch größere Anschlusspläne hatten und die Verspätung stoisch aufnahmen. Ich hatte jetzt erfahren, das ich eine Stunde später weiterfahren konnte. Weniger als eine Stunde, die Verspätung angerechnet. Ausreichend für einen Kaffee bei dem örtlichen Bahnhofsbackstand. Die Schaffnerin war sehr engagiert und versuchte alles ihr Mögliche zu machen. Aber es war wie der Blick in die Glaskugel und mit jeden zurückgelegten Eisenbahnmeter kam die Hoffnung auf ein Wunder auf.

Ich entdeckte, dass mir unbekannte menschliche Niederlassungen fast fünf Bahnhöfe mit Halt hatten und jedes mal hielt der Zug und wollte nicht weiter. Doch es ging immer weiter. Langsam kamen auch mir bekannte Vororte und auch bald mein Umsteigebahnhof in Sicht.

Wir hielten auf Bahnsteig 4b mit zehn Minuten Verspätung und ich eilte zum Ausgang, den Duft des Kaffees schon in der Nase. Doch was war das – dort auf Bahnsteig 3b stand doch ein Zug. Ich eilte hin und der Zugführer, der aus dem Bullauge schaute, riet mir schnell einzusteigen.

Kaum drin fuhren wir los. Ein Wunder. Hinter mir im Abteil hörte ich eine Stimme, die mit einem unbekannten Gegenüber telefonierten.

„Wir mussten zehn Minuten auf den anderen Zug warten. Ich komm dann später an. Hole mich ab, ja?“

Ufz- nicht mein Problem. Ich genoss die Fahrt, die Landschaft und mein Glück, doch noch eher zurück zu kommen. Zeit nach dem Proviant zu schauen und mein Smartphone zu konsultieren. Es war eine ruhige Fahrt durch gottverlassenen Gegend und eine an Mitreisenden arme.

Wir kamen an den Bahnhof, den ich vor 3 Tagen aufgesucht hatte, um über Nürnberg nach München zu fahren. Bin wieder kontrolliert worden und wartete, dass erfahrungsgemäß bei dem nächsten Stop das Abteil voll würde, weil in dieser Stadt Unmengen Studentinnen und -enten wohnen die gerne mit der Bahn verreisen.

Ich hatte durch aus kein schlechtes Gewissen, worüber auch. Für mich war das eine toller Zufall und keine Absicht. Wie denn auch. Mein gegenüber, zwei junge Studentinnen, freuten gerade über ein sessional blühendes Feld: „Oh Poppy-Flowers!“ Es wurde Zeit für mein Ausstieg. Ich freute mich über die ausgestandene Reise und meine glückliche Ankunft. Hier verließ ich den Zug und seinem weiteren Schicksal. Doch plötzlich kam mir das Bild wieder vor Augen, als ich abgehetzt im Anschlusszug aus dem Fenster schaute, gegenüber die nette Zugbegleiterin lächelnd in Richtung Lokführer meines neuen Zuges blickte, lächelte und anerkennend den Daumen als Geste der für Lob und Zustimmung hob.

Doch plötzlich kam der Zugführer mit den Worten auf mich zu „Da ist er doch“ (Hä – unbändiges Staunen meinerseits) „Wegen Ihnen haben wir in Gera gewartet, das sollten wir doch nicht. Wollten sie überhaupt in den Zug?“ Ich bejahte. „Was haben Sie denn gemacht, dass wir zehn Minuten gewartet haben“ „Ah, -nichts-!“ „Haben Sie überhaupt eine Fahrkarte“ „Nein“ – Ich zeigte dem Lokführer meinen Ausweis mit Wertmarke, so was hatte er offensichtlich noch nie gesehen, sich aber von dem Dokument beeindruckt gezeigt. „Na irgendwas müssen Sie doch gemacht haben! Vielleicht angerufen?“ „Nein“ Aber mir schwan-te was. „Na sind sie jetzt im richtigen Zug“ „Ja, vielen Dank“ Er entfernte sich und kurz darauf setzte sich der nun volle Zug in Bewegung.

Sollte sie vielleicht angerufen haben….?

Fotos im Museum – Teil 2

Ja es ist mühselig meine tausende Fotos von Kunstwerken zu sortieren und katalogisieren. Seit einiger Zeit veröffentlichen Museen auf ihren Website selbst ihre Kunstschätze, oder geben Einblicke in virtuelle Rundgänge. Und die Qualität ist unvergleichlich zu meinen Versuchen.

Aber es ist wie ein Gedächtnis, der nicht nur die Gemälde registriert, sondern auch in der Reihenfolge den Rundgang selbst konserviert.

Mittlerweile kenne ich mich in einigen Häusern so gut aus, dass ich meine Favoriten gleich aufsuchen kann.

In der National Galery London, ein gewiss nicht einfacher trivialer Bau, ist im Neubau ganz hinten die Kapelle mit den da Vinci und vom Haupteingang, erster Stock, rechts die Im- und Expressionisten der Moderne. Den Caravaggio suche ich zugegebenermaßen jedes mal, finde aber auf dem Weg dahin immer Neues.

So ähnlich geht es mir in vielen Häusern – ausgenommen sei hier der Louvre in Paris oder die Wiener kulturhistorischen Museum- unmöglich- Natürlich sind die Berliner Gemäldegalerie , das Pariser Muse dÓrsay, das Römische Capitolini, das Londoner Victoria & Albert Museum, das Baseler Kunstmuseum usw. keine kleine Kästen, und die meisten Besucher besuchen nach einiger Zeit am liebsten die bereitstehenden Sofas, doch nehme ich mir die Zeit und fotografiere auch gern die Räume und Treppen , um ein Wiedererkennen realisieren zu können.

Blick aus dem Zugfenster in der Nähe von Großkorbeta

In letzter Zeit passierte es mir des öfteren, dass ich meine Systemkamera mit Objekt nicht benutzen durfte. Ich nehme als Ersatz ein Smartphone und staune nicht schlecht, welch grandiose Fotos ich damit schieße auch wenn die Lichtverhältnisse ungünstig sind.

Das passiert manchmal auch, wenn ich aus dem fahrenden Zug heraus fotografiere. Das ist gedacht als Gedächtnisstütze oder Sketch-Motiv, aber manchmal ergeben sich doch tolle Aufnahmen: