Seltsame Gedanken … oder Kunst ist das Salz des Lebens!

Auf den Touren durch die europäischen Metropolen liegt mein Schwerpunkt auf den Besuch der Kultureinrichtungen und das Kennenlernen der musealen Schätze der westlichen Welt.

Diese Aussage reduziert mein Kunstsinn auf die Früchte der europäischen Kulturen, schließt aber andere Teile der Welt nicht generell aus; ist nur Ausdruck für den erzieherischen Einfluss meiner geografisch, politischen Heimat und deren Hemisphere.

Regenwasserspeier – Augustinermuseum, Freiburg/Breisgau

Das schließt nicht aus, dass andere Kulturkreise mich nicht beeindruckten: Anders gesehen – besonders afrikanische, karibische, polynesische Kunst der Ureinwohner ist für mich der Ausdruck des Elementaren mit enormer Symbolkraft und der Reduktion auf das Einfache, das Ursprüngliche.

So, nach dieser kurzen Einführung und den gesteckten Rahmenbedingungen geht es nun an das Eingemachte. Warum , eigentlich?

Wir können ganz vorn anfangen, am Anfang, den es nicht gab! Die Archäologen und Ethnologen fanden Artefakte aus grauester Vorzeit, die beweisen, das es Künstler gab, die Gegenstände herstellen, die keinen direkt messbaren Gebrauch dienten und die eigene Umwelt als Symbol reflektierten, wie Knochen-Figürchen von Mann und Frau : Symbole der eigenen Existenz. Oder die Darstellung von Tier, als die Verehrung der Kreaturen, die für das Überlebens der eigenen Rasse gejagt wurden.

„Der Sündenfall“ Süddeutschland, um 1530/40 – Augustinermuseum, Freiburg/Breisgau

Es begann sich also sehr früh in der Menschheitsgeschichte Individuen herausgebildeten, die Fähigkeiten hatten, Kunst zu produzieren. Sie unterschieden sich von ihren Artgenossen und eine (lustige) Theorie besagt, es seien die Nachkommen von Kain, dem Brüdermörder, die mit dem unsichtbaren Kain-Zeichen auf der Stirn seither der Kunst verbreiten; als Wandersmann, Gaukler, Schausteller oder Musikanten. Man kann aber gleich auch die anderen Musen der Kunst mit dazu zählen, da sie geboren wurden um den Rest der Bevölkerung in Staunen und in Bewunderung zu versetzen.

Der Kunstschaffende ist in der Lage zu Abstrahieren. Gegenständliches zu Modellen zu reduzieren.

Kunst ist das Salz des Lebens – dieser Satz gibt den Sinn meiner künstlerischen Entwicklung wieder.

Ohne Salz stirbt jeder höhere Organismus; es hält den bio – chemischen Motor im Gang und sorgt für Attraktion und Würze.

Kunst ist nicht das Fleisch, nicht das Blut oder die Seele des Daseins. Kunst ist der kleine Beitrag zum Ganzen, der Lebensnotwendig und eine gehaltvolle Bereicherung ist.

Johann Wolfgang Goethe schrieb: „Manchmal verliert das Leben derart den Reiz,dass man es dem Firnis der Fiktion wieder auffrischen muss“

„Goethe“ von Andy Warhol, Museum Städel in Frankfurt/Main

Das kann Kunst! Aber es ist mehr! So wie Salz den Organismus am Leben hält, das Funktionieren der Zellen, alleine und im Verband der Aber-Millonen- – so kann ein Volk nicht ohne die Kunst und seine Schaffenden sein; ausgenommen die Braunen, die Nazis und auch die haben eine merkwürdige Art von Kunst glorifiziert – – eine „Artige Kunst“. Nicht von ungefähr war es in Deutschland mit der Flucht und Vertreibung , den Exodus der Intellektuellen und der Shoa der Juden vorbei mit ihrer herausragenden Rolle in Wissenschaft, Technik und Kunst, vorbei und zu Ende; ein jähes Ende fern jeder Wiedererlangung einstiger geistiger Größe!

Bald lebe ich länger in der BRD als vorher in der DDR!
Es vermischen sich immer mehr Eindrücke, die nicht mehr dieser oder jene Epoche zuzuordnen sind. Mehr und mehr wird der Unterschied bedeutend , nicht der digital native sondern ein digital imigŕant zu sein. Den Computer von den Ursprüngen an zu kennen und einen gebaut zu haben ist UNWICHTIG.
Was bleibt ist die Flucht in die Kunst … da können die ’nerds‘ nicht mehr folgen!!

Eine totale Erinnerung an die Zone habe ich noch: Es war GRAU in GRAU!
Und noch eine Spur mehr, als ich vertragen kann. Denn war nicht nur der Alltag grau und hässlich, Baustelle, Pfützen und Schlagloch und Versorgungsmiseren, so trug ich auch noch grässliche Mode, DDR-Jugend-Mode, was sonst keiner anziehen wollte und ohne Beziehung und mit Bakschisch die Verkäufer zu schmieren bleib nur der erbärmliche Stangen-Rest- unverkäufliche Ware!! Und dann noch kein Internet und keine Bravo am Zeitungsstand.

„mein selbstgebauter DDR-8-bit-Lerncomputer LC80“ funktionierte nur mit Ẁest-RAMś

Soso, das war mein Rundumschlag gegen das DDR-Establishment und den Lifestyle der kommunistischen Jugend. (mit ihrem Jäh-Jäh-Jäh)

Aber zurück zum Thema.

Kunst ist die Bewusstseins – Erweiterung ohne Substanzen und Halogene.
Und als Abschluss ein Satz von Picasso (aus dem Film „Beuys“ von Andres Veiel)
„Kunst ist nicht dazu da um unsere Wohnung zu drapieren, sondern Kunst ist Mittel im Kampf gegen den Feind…!“

Pablo Picasso „Femme“ 1930, Pinakothek der Moderne, München

Wie ich zu zeichnen anfing…

Soweit wie Jede(r) oder die meisten habe auch ich mit Bleistiftzeichnungen angefangen, als ich ernsthaft Künstler werden wollte.

Der Ẃunsch die Gegenwart auf das Blatt zu bringen, ist mächtiger als das Können. So machte ich genauso die Anfängerfehler, wie jeder Deputant. Im Grunde mache ich die Fehler noch immer, bemühe mich aber, sie zu überspielen. Es bleibt das Mysterium, den Eindruck zu fangen und die Situation zu meistern.

Der Bleistift ist ein nützliches Instrument schnell und differenziert zu arbeiten. Es gibt ihn von Ultra-hart bis Mega-weich und in verschiedenen Minenstärken. Er ist klein und kann überall mitgenommen werden. Besonders in dem letzten Jahrhundert war der Bleistift allgegenwärtig und ein Symbol für Genialität und Innovation.

Es ist allenthalben zu beobachte ,dass mit den Bleistift eher die kleineren Blattformate befüllt werden und das die Zeichner bei Missdeutungen sofort zum Radiergummi greifen und zumindest den letzten Teil vehement tilgen. Für die größeren Formate ist der Bleistift nicht zielführend, weil man doch ein großer Meister sein muss um die Flächen mit dem kleinen Strich zu füllen.

Der Bleistift ist gut für die Linie, versagt aber eher bei der Fläche. Wenn es um Schatten geht, hilft da die Schraffur. Diese kann man nun fleißig mit verschiedenen Techniken und Stichmuster in oder gegen die Richtung der Wölbung oder dem Schatten ziehen. Wenn es ein harter Kernschatten ist bietet die Kreuzschraffur gute Dienste.

Fineliner – Zeichnung „Aktstudien“

Oder machen füllt den Schatten oder tieferen Stellen mit einem weichen Stift, der flächig abdunkelt. Das ist auch die Gefahr für das ganze Blatt – eine einzige verschmierte Grafit-Studie. Die Zeichnung sollte man fixieren, damit sie ihren Charakter länger behält. Oder in einem Bilderrahmen hinter Glas montieren, damit die Umwelteinflüsse nur gedämpft an das Meisterwerk kommen.

Ich habe für mich festgestellt darauf zu verzichten.

Zum Einem ist mir das Radieren leid. Die Linien, die „falsch“ sind, werden radikal ge-ext und es verbleiben nur Flusen und Krümel.

Dabei ist es doch besser, neben die falschen die richtigen Linien zu setzen und dies zu betonen! Das ergibt eine gewisse Lebendigkeit und ein Gefühl für Bewegung. So machen Künstler bewusst eine Unmenge von Linien nebeneinander um eine Ablauf zu erzeugen. Ihre Figuren „leben“ und sind „agil“.

Das andere ist die Stifthaltung.

In der Schule lernen wir schon den Stift zu halten, in zwischen Daumen und Zeigefinger zu fixieren und so geführt auf das Blatt zu bringen. Dabei entsteht ein Fluss vom Augen über das Gehirn , den Arm die Hand in den Stift hinein. Wir konzentrieren uns und der Stift in der Hand folgt den Koordinaten , den Ihn das Gehirn vorgibt.

Das ist gut fürs Schreiben und technische Zeichnen. Alles akkurate und technisch versierte sollte so entstehen. Aber doch nicht eine Freihandzeichnung , die das Objekt „mit unseren Augen“ erfasst und es als Eindruck auf das Papier bannt. Es entsteht doch keine technische Zeichnung, kein Foto!. Wir wollen doch keine schnurgeraden Linien zeichnen, die in der Natur nicht vorkommen. Unsere Umwelt ist schief und krumm, bis auf die vom Menschen geschaffenen Dinge.

„Akt auf Arme und Knie“

Und unser Körper ist nun absolut rund und gewölbt. Da ist nichts gerade. Und deshalb bin ich für die Handskizze, wo der Stift; besser noch die Kreide , locker in der Hand liegt und lässig aus dem Handgelenk über das Blatt geführt wird. Dann ist Zeit das Objekt zu studieren und zu betrachten und die Hand folgt dem Auge ohne Umweg über Gehirn und Bewegungsapparat.

Es erfordert Übung , die mental beginnt. Auch den Mut des Scheiterns.

Ich wende diese Technik bei den Kohle- und Pastellzeichnungen an. Sie gibt mir die Freiheit, mich im dargestellten Objekt frei zu bewegen. Die Kante der Kohle wird Linie, die Fläche gibt Schatten und Hintergrund. Es geht viel schneller als mit dem Bleistift und der Erfolg, zumindest den, dass das Blatt schnell voll wird, gibt wiederum Zuversicht.

„Sitzende von 2015“

Sei es drum … frohes Schaffen!!

Fotos im Museum – Teil 2

Ja es ist mühselig meine tausende Fotos von Kunstwerken zu sortieren und katalogisieren. Seit einiger Zeit veröffentlichen Museen auf ihren Website selbst ihre Kunstschätze, oder geben Einblicke in virtuelle Rundgänge. Und die Qualität ist unvergleichlich zu meinen Versuchen.

Aber es ist wie ein Gedächtnis, der nicht nur die Gemälde registriert, sondern auch in der Reihenfolge den Rundgang selbst konserviert.

Mittlerweile kenne ich mich in einigen Häusern so gut aus, dass ich meine Favoriten gleich aufsuchen kann.

In der National Galery London, ein gewiss nicht einfacher trivialer Bau, ist im Neubau ganz hinten die Kapelle mit den da Vinci und vom Haupteingang, erster Stock, rechts die Im- und Expressionisten der Moderne. Den Caravaggio suche ich zugegebenermaßen jedes mal, finde aber auf dem Weg dahin immer Neues.

So ähnlich geht es mir in vielen Häusern – ausgenommen sei hier der Louvre in Paris oder die Wiener kulturhistorischen Museum- unmöglich- Natürlich sind die Berliner Gemäldegalerie , das Pariser Muse dÓrsay, das Römische Capitolini, das Londoner Victoria & Albert Museum, das Baseler Kunstmuseum usw. keine kleine Kästen, und die meisten Besucher besuchen nach einiger Zeit am liebsten die bereitstehenden Sofas, doch nehme ich mir die Zeit und fotografiere auch gern die Räume und Treppen , um ein Wiedererkennen realisieren zu können.

Blick aus dem Zugfenster in der Nähe von Großkorbeta

In letzter Zeit passierte es mir des öfteren, dass ich meine Systemkamera mit Objekt nicht benutzen durfte. Ich nehme als Ersatz ein Smartphone und staune nicht schlecht, welch grandiose Fotos ich damit schieße auch wenn die Lichtverhältnisse ungünstig sind.

Das passiert manchmal auch, wenn ich aus dem fahrenden Zug heraus fotografiere. Das ist gedacht als Gedächtnisstütze oder Sketch-Motiv, aber manchmal ergeben sich doch tolle Aufnahmen:

Darf ich fotografieren?

Skizzen und Fotos von Picassos „Harlekin/Narr“ und „Picador mit gebrochener Nase“

Es ist immer die selbe Frage, die ich am Ticketshop stelle. Meist wird sie mit „ja, aber ohne Blitz“ beantwortet.

In Zeiten wo JEDER ständig Fotos schießt, – meist als `Selfie` – ist diese Frage fast rhetorisch, aber zum Schutz der empfindlichen Oberflächen der Kunstobjekte ist der Blitz selbstverständlich tabu.

Allerdings sind manche Ausstellungsräume dermaßen dunkel oder haben Punktscheinwerfer, die auf dem Bilderrahmen -Gläsern fantastische Reflexionen hervorrufen, dass es eine echte Herausforderung ist, einigermaßen brauchbare Ablichtungen zu schaffen.

Oder sie hängen in fünf Meter Höhe oder eine Menschentraube steht davor und will nicht weichen. Im Louvre ist es ein Ding der Unmöglichkeit die Mona Lisa zu fotografieren, weil dutzende schreiende Menschen davor posen und sich und Leonardos Bild fotografieren.

Es gelang mir an einem Mittwoch dennoch, den da hat der Louvre bis 21:00 Uhr auf und ab 20:00 Uhr wurde es doch deutlich stiller, um die „Lisa“.

Ich mache meine Skizzen unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen: Auf einem Klappstuhl, Buch, Stifte, Farben alles am Körper, ständig von Leuten umringt und denen die sich zwischen meine Sichtachse und dem Bild schieben. Das ganze dauert auch meist nicht mehr als 10 Minuten. Und dann fotografiere ich die Bilder.

Es gibt natürlich Ausstellungen, die ein fotografieren generell verbieten, wie z.B. „Der späte Picasso“ im Barberini-Museum Potsdam oder „Oscar Schlemmer“ im herzoglichen Museum Gotha.

Manche Exhibition verbieten das Fotografieren von Teilen der Exponate, wie z.B. „Der frühe Picasso“ Foundation Beyeler Basel; „Tizian“ Städel Museum Frankfurt/Main oder „Mantegna und Bellini“ Berliner Nationalgalerie. Dann herrschen die Aufpasser an, weil man das kleine Pictogramm“No Foto“ nicht gesehen hat und in Frankfurt musste ich vor den Augen der Gerechtigkeit das Beweisfoto löschen!!

Auffällig sind mir die Fotoverbote in den ostdeutschen Museums. Zu nennen sei da die Moritzburg Halle/Saale, de Dom in Magdeburg oder Naumburg und das herzoglichen Museum Gotha. Für eine Fotoerlaubnis, die teilweise höher als die ermäßigte Eintrittsgebühr ist, darf man als Privilegierter fast frei über den eigenen Apparat verfügen.

Ürigens: Im Londoner Royal Academy bei der Exhibtion „Egon Schiele“ habe ich wild skizziert und fotografiert. Trotz der gut besuchten Ausstellungen und dem regen Andrang besonders der erotischen Zeichnungen gelang es mir mein Skizzenbuch zu füllen.

Plötzlich sprach mich eine gut gekleidete Dame mit den Worten an „For what you shoot this many fotos?“ Überrascht, nach einer Antwort suchend, die ich in der Landesprache vorbringen konnte und verwundert ob der doch eklatant fehlenden britischen Zurückhaltung, stammelte ich „For ..äh for .. the memories“ – – „Oh, for the memories“ she repeated thoughtfully and vanished…

Plastik von Enst Ludwig Kirchner im Städel/ Frankfurt am Main

Hohelied auf das Detail

Durch das Zeichnen lernt man Sehen.
Die Beschäftigung mit der Vorlage und der sequentiellen Reproduktion zwingt zur genauen Analyse. Nach und nach tauchen Details auf, die mir vorher nicht aufgefallen war. Verblüffend. Die Drehung von Armen und Händen, die Verschnörklungen und Raffinessen. Der Hintergrund.
Bei dem weltberühmten „Frühstück im Freien“ von Edouard Manet steht eine Frau im hinteren Teil mit den Füßen in einen Gewässer und bückt sich um Wasser zu schöpfen. Das hatte ich früher nie war genommen; immer nur die Hauptakteure.
So kann es gehen.

Skizze anlässlich dem Besuch im von-der-Heydt-Museum, Wuppertal 2017

Von der Wertigkeit des Nichtigen

Das Zeichnen ist das „Neue Sehen“

Sei es wie es will, wer mit Scheuklappen durch die Welt geht, sein Denken, Handeln und Sinnen nur immer auf ein Ziel richtet; sein Schritt stracks richtet und mit Vehemenz den Einen vor den Anderen setzt; nicht Links und Rechts kennt; nicht Freund noch Feind; der ist vor der Welt erfolgreich, geschätzt und bewundert: Doch in meien Herzen nur verachtet und bemitleidet; denn

… wie schön ist es doch seine Umwelt zu sehen und zu beobachten; den VogelsaNg zu hören, das Aufrichten der Blüten zu bewundern; den Gang der Schnecke zu verfolgen; kurz dass, was die Welt Müßiggang nennt, das Flanieren; oder auch das „chillen“ – merkwürdig nimmt sich hier der Anglizismus aus – kurz das Gegenteil des „Schaffe – Schaffe“

.. Und wie nun kommt es zur Überschrift – klar, wer sich mit etwas beschäftigt, es beobachtet, detailliert und seziert, um es zu zeichnen, der sieht hin und versucht die dreidimensionale Welt auf den Klecks 2-D-Papier festzuhalten und kommt nicht umhin, ein Abbild des Seins zu schaffen, wahr oder nicht, nah oder fern, gut oder böse … aber es entsteht Etwas!